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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band | |
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Diese Entweihung hat das Gift der Verderbniß in den Körper der Sekte gelegt; die Krankheit, die ihn vernichten soll, steckt schon in ihm. Die Pseudoreligion der Mormonen sammt der Theodemokratie von Utah konnte nur ein Kitt zusammenhalten, dessen Beseitigung in deren eigenem Plan liegt: die Bedrängniß war’s, die den fanatischen Volkshaufen zusammen drängte, und der Fanatismus war’s, der den blinden Gehorsam aufrecht hielt. Beides schwindet. Der Weltverkehr hat eine seiner Hauptstraßen durch jene Wüste gezogen, was jetzt noch gefahrvoller Karawanenweg ist, wird eine Schienenbahn, auf welcher der Dampf die langen rastlosen Wagenreihen auf- und abzieht zwischen dem Mississippi und dem großen Ocean, Ostamerika und Kalifornien. In Salt-Lake-City ersteht der Riesenbahnhof zwischen den Wüsten. Die Schranken der Abgesperrtheit zerfallen, die Beschränktheit schwindet, und die Reaktion des gesunden Menschenverstandes wird zunächst den Schandpfahl niederreißen, an welchen das Weib in der Polygamie gefesselt ist. Die ruchlose Entwürdigung der menschlichen und christlichen Ehren und Rechte des Weibes wird sich rächen. Neue, freisinnige Elemente werden im Kreise des Mormonenthums sich festsetzen, und die Opposition der Volksrechte wird laut werden gegen die alleinherrschende Priestergewalt. Der Zehente, der ungeheure Summen in die Verfügung der unverantwortlichen Präsidentschaft stellt, wird die Unzufriedenen um die gefährlichen Fahnen des Geldkastens schaaren, und die Einigkeit in der herrschenden Priesterschaft selbst ist schon jetzt nicht mehr Wahrheit, sondern zerfließender Schein.
Solchen Voraussetzungen gegenüber hätte man wohl die Mormonengemeinschaft ihrer Auflösung und Umbildung in amerikanische Lebensformen überlassen können, wenn nicht die Verbrechen der „Heiligen“ gegen Eigenthum, Ehre und Leben der „Heiden“ ihren Richter forderten. Nicht die Vielweiberei der Mormonen an sich, schreibt man aus Washington, sondern die empörende Art und Weise, wie die Vorsteher der Sekte dieses Privilegium geltend machen, die Unterdrückung, der Raub, die Plünderung und der Todtschlag, welche in Folge dieser Institution an anderen sogenannten ungläubigen Personen und Bürgern der Vereinigten Staaten verübt werden, ohne daß die von der Centralregierung eingesetzten Richter die Macht hätten, die Verbrecher zu bestrafen, das Auflehnen gegen die oberste Regierungsgewalt der Union und die offene Verhöhnung des Kongresses – das sind die Anklagen, welche in Washington gegen die Mormonen erhoben wurden und welche die Eingangs erwähnte Truppensendung nach Utah veranlaßten. Nach den letzten Nachrichten (vom Juni) aus Utah hat nämlich der Oberpriester Brigham Young, obgleich er als Statthalter der Union Gehalt bezieht, alle Akten des Unionsgerichtshofs nebst den Gesetzsammlungen der Vereinigten Staaten öffentlich verbrennen lassen und mit dieser symbolischen Handlung die Erklärung verbunden, daß er keinen von der Bundescentralgewalt ernannten Territorialbeamten mehr anerkennen werde. Nach dieser offenen Rebellion hat der Unionsrichter Drummont sein Amt niedergelegt und nach Washington berichtet. Sein Bericht wiederholt eine Beschuldigung, die schon bei der Vertreibung
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 252. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_18._Band_1857.djvu/261&oldid=- (Version vom 20.12.2025)