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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band | |
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Zwischen dem Panorama des Haardtgebirgs, von Bergzabern im Süden bis Grünstadt an der Nordgrenze der Rheinpfalz, und dem Rhein liegt das lieblichste und blühendste Stück von jenem
„ – großen, eb’nen Land,
Wo die Waldwasser nicht mehr brausend schäumen,
Die Flüsse ruhig und gemächlich ziehn;
Da steht man frei nach allen Himmelsräumen.
Das Korn wächst dort in langen, schönen Auen,
Und wie ein Garten ist das Land zu schauen!“
Dieser Garten ist nicht bloß herrlich durch den Schmuck, den Natur und Menschenhand in ihm ausgebreitet, sondern auch seine Größe ist etwas werth: er hat eine Länge von ungefähr neun Meilen und mißt vom Gebirg bis zum Strom bald etwas mehr, bald etwas weniger als drei Meilen. Nach der französischen Seite stößt er an einen denkwürdigen Zaun, der aber dem Nachbar gehört: die weißenburger Linien; von den Marksteinen des Nordrandes aus erblickt man die Thürme von Worms. Auf seinem ganzen Laufe geht der Rhein nicht so lustwandelungsselig im großen Bogen zur Linken und Rechten durch die Fluren; man sieht, wie schwer ihm das Scheiden wird aus seinem Paradiese. Der erhabenste Schmuck dieses Gartens ist jedoch die Terrasse, welche seine ganze westliche Länge begrenzt, jenes Panorama des Haardtgebirgs.
Nicht durch Höhe, eisige Pracht und Schreckenreichthum imponirt dieser Gebirgszug, der nach Elsaß und Lothringen hin in den Vogesen weiland deutsche Reichsnachbarn hatte, sondern durch die strahlende Anmuth, die entzückende Lieblichkeit der Thäler, den lachenden Reichthum der Hügel, die kecken Gestalten der Berge und das stattliche Leben des deutschen Fleißes, die Werke der Industrie, die Denkmäler der Kunst, der Sitte und des Glaubens, die uns hier vor jeden Blick unserer Augen treten. Könnte man diese ganze Terrasse von Bergzabern bis Grünstadt mit Einem Blick überschauen, so umfaßte derselbe über 70 Berge und Hügel und vor, an und auf denselben gegen 60 Werke der Menschenhand an Städten und Marktflecken, Dörfern und Einzelhöfen, Schlössern und Ruinen, Klöstern und Kapellen. Das Gebirg selbst bietet eine überraschende Mannigfaltigkeit der Formen. Wie auf einem Wanderzug nach Norden begriffen, strecken dorthin viele langrückige Berge ihre Häupter vor, andere erheben sich mit runder Behaglichkeit, andere sind kühn gewölbt und noch andere ragen als Pyramiden in den Himmel. Damit
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 254. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_18._Band_1857.djvu/263&oldid=- (Version vom 21.12.2025)