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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band | |
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das Auge beim Genusse dieser Schönheit auch seine Eintheilung machen könne, scheiden zwei breitere Tiefthäler das ganze Panorama in drei Gruppen. Hinter Albersweiler, wo die Wasser der Queich sich sammeln, öffnet sich das Annweiler Thal, in der Mitte der Südhälfte, und beim Beginn der Nordhälfte des Panorama’s liegt Neustadt am Eingang in das andere Thal, durch welches dem Dampfwagen die Bahn gezogen ist vom Ludwigshafen am Rheinstrom bis nach Zweibrücken. In der Mitte der mittleren Gruppe dieser Kegel und Pyramiden, Kuppeln und bäumenden Bergrücken erhebt sich als höchste Spitze die Pyramide des Kalmit zu 2046 Fuß, und zwischen ihr und Neustadt (Bd. XVII, S. 205 f.) tritt auf steiler Höhe, über dem breiten Kranze eines Kastanienwaldes, beherrschend und krönend zugleich, aus der Reihe der Berge und Hügel der Gegenstand unserer Stahlplatte hervor. Die Maxburg kann sich unbestritten der reizendsten Lage im ganzen Haardtgebirge rühmen.
Unser Bild, lieber Leser, lügt Dir etwas vor, oder, um milder zu reden, es stellt nicht die Wahrheit dar, sondern einen Wunsch, der früher ein in der Ausführung begriffener Plan war. Die Burgruine, die unter dem Namen „Hambacher Schloß“ (sogenannt nach den Dörfern Ober-, Mittel- und Niederhambach, die malerisch zu den Füßen ihres Bergs liegen) in den „dreißiger Jahren“ europäischen Ruf erlangt hatte, war Eigenthum der Bürger von Neustadt, als Bayerns Kronprinz Max sich mit der preußischen Prinzessin Marie vermählte. Da brachten die Pfälzer ihrem künftigen Herrscherpaare die prachtvolle Ruine als Festgabe dar. Es lag eine sinnige Bedeutung gerade in diesem Angebinde, das offenbar mit gewissen geschichtlichen Erinnerungen versöhnen sollte; damals (1842) erhielt das Hambacher Schloß den Namen „Maxburg.“ Zugleich war der Wunsch ausgesprochen, daß der zukünftige König sich ein Seitenstück zum Hohenschwangau, eine königliche Pfalz in der Mitte seiner Pfälzer, auf dieser Höhe errichten möge. Der Gedanke fand Anklang und die Wiederherstellung der Burg wurde, nach dem Plane von Ziebland und Voit, begonnen. Im Jahre 1846 stand bereits die östliche, dem Rhein zugekehrte Frontseite des Hauptbaues mit ihren 15 Fenstern im reichen mittelalterlichen Styl fertig da. An der nördlichen Wand, deren Einsturz man befürchtete, und am Jahre 1848 scheiterte der Ausbau der Maxburg, die jetzt, in der Nähe allerdings schon prächtig, jedoch aus der Ferne betrachtet nur beklagen läßt, daß man die großartige Ruine in ihrer malerischen Schönheit nicht unberührt gelassen.
Auch ihrer Geschichte nach gehört diese Burg zu den Volksheiligthümern des schicksalreichen Landes; sie hat dessen ganzen Jammer mit durchgelebt und zeigt die Spuren davon noch der Gegenwart. In der ältesten Zeit hieß sie Kästenburg, d. h. Kastanienburg, und war eine stattliche Pfalz der deutschen Könige. Heinrich II. erbaute sie sich zu Anfang des 11. Jahrhunderts. Später kam sie an Wolfram, Graf der Ardennen, Schwager des unglücklichen Kaisers Heinrich IV., der von dieser Burg aus den verhängnißvollen Gang nach Canossa angetreten haben soll. Ein Neffe dieses Kaisers, Bischof Johann, schenkte sie um 1100 dem Hochstifte Speyer, dessen
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 257. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_18._Band_1857.djvu/266&oldid=- (Version vom 21.12.2025)