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nicht über den 75. Grad vorgedrungen, während jedoch Parry am 27. Juli 1827 nur noch 7° 15′ vom Nordpol entfernt stand: das Aeußerste, was je einem Seemann auf solcher Fahrt gelungen!

Warum so vieler kühner Männer Leben gesetzt wurde an die Entdeckung von Ländern und an Fahrten in Meere, die für die Kultur weder Boden, noch Menschen, noch kostbare Naturschätze darbieten konnten? Man suchte nicht letztere, sondern alle sogenannten Nordpol-Expeditionen hatten ursprünglich nur den Zweck, die kürzeste Seeverbindung zwischen Europa und Asien durch das Eismeer im Norden Amerika’s aufzufinden. Der Globus oder eine in der Polar-Projektion dargestellte Karte der nördlichen Halbkugel macht es begreiflich, welchen Werth die seefahrenden Europäer auf eine solche „nordwestliche Durchfahrt“ legen mußten. Wenn auch nur wenige Sommermonate fahrbar, mußte ein Seeweg von Grönland nach der Behringsstraße für die Nordweststaaten Europa’s, für ihre Handels- wie für ihre Eroberungsflotten, von kaum zu ermessender Bedeutung sein. Deshalb die mehr als 300jährigen Kämpfe mit der starren Natur der Polarländer, die selbst fortdauerten, als man längst zu der Einsicht gekommen war, daß keine Durchfahrt dort zu finden, und, selbst wenn eine solche noch gefunden werde, sie nutzlos sei für die Förderung des Völkerverkehrs. Von der Zeit dieser Erkenntniß an galten die Polarfahrten geographischen und physikalischen Forschungen und endlich der Rettung des gefeiertsten und unglücklichsten aller Nordfahrer, John Franklins.

Die Forschungen haben zu höchst merkwürdigen Entdeckungen geführt. Zunächst ist die Länderkunde bereichert worden; alle Küsten, Meere, Sunde und Inseln westlich von Grönland kamen in ihr Gebiet, von der Hudsons- und Baffinsbai bis zur Melvillesinsel, der äußersten Station der Nordwestfahrten, im 75. Breitengrade, und dem Gegenstande unseres Stahlstichs. Das Meer ist ruhig auf unserem Bilde. Parry’s Schiff steht vor uns. Es ist im September 1819. Am Kap Dundas donnerten ihm die undurchdringlichen Eisbarrikaden, von riesigen, schon durch ihre Gestalten schreckenerregenden Gletschern überragt, ihr „Halt!“ entgegen. Da geschah es zum ersten Male, daß Nordfahrer in diesem fürchterlichen Klima überwintern mußten, und so günstig war den Muthigen das Glück, daß Parry im folgenden Jahre heimkehrte ohne den Verlust eines einzigen Menschenlebens. Aber die Qualen, entspringend aus dem Mangel an Allem, was zur Unterhaltung und zur Vertheidigung des Lebens gegen die rastlosen Angriffe des Klima’s unentbehrlich ist, die fast hoffnungslosen Kämpfe mit unberechenbaren Gefahren, das ewige sinntödtende Einerlei von Eis und Schnee, das jeden durch die Sonne aufgethauten Sumpf nur um seiner schwarzen Farbe willen als eine Wohlthat erscheinen läßt, das zwischen schwimmenden Eisbergen von 2-, ja 300 Fuß Höhe täglich tausendfach nahe Verderben und endlich das Furchtbarste, ein Sturm zwischen den kleinern Eismassen, die wie schwimmende Granitquadern von den Wogen emporgeschleudert und an einander geschlagen werden, während die flacheren Eisfelder, vom Wind und Strom gegen diese Massen oder