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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band | |
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Gegen das Ufer getrieben, sich oft vierzig Fuß hoch emporbäumen, sich überschlagen und so das betäubende Geräusch und den schäumenden Gischt dieses eisigen Höllenschlundes wo möglich noch steigern, – diese Erfahrungen gehören auch mit zur Kunde von den nordischen Polargegenden. Der erste Eisberg, dem der Seefahrer begegnet, sagt Schleiden, trägt für das kundige Auge die Inschrift von Dante’s Hölle:
Die wichtigste Bereicherung aus den Norpol-Expeditionen kam unserem Wissen über den Erdmagnetismus zu Gute. Die nur horizontal schwingende Magnetnadel (Deklinationsnadel) wurde in diesen hohen Breitengraden unthätig, kehrte sich bei der Melvillesinsel geradezu um und wies mit dem Nordpol nach Südwest, Süd und Südost; erst mit Hülfe der Inklinationsnadel (die nach Art eines Wagebalkens freischwebend aufgehängt ist) entdeckte der jüngere Roß am 1. Juni 1831 den eigentlichen magnetischen Pol in bedeutender Entfernung vom Erdpol. Die weitere Durchdringung dieses großen Naturgeheimnisses wird noch manches Schiff nach Norden führen.
Zur Rettung Franklins läuft keines mehr aus. Er ist verloren. – Dieser von Europa und Amerika betrauerte Seeheld, aus Spilsby in Lincolnshire, hatte sich frühzeitig auf der englischen Kriegsflotte ausgezeichnet und in den verschiedensten Meeren gefochten, als im Jahre 1817 die Nachricht nach England kam, daß die ausgedehnten Eisfelder, welche Jahrhunderte lang die Ostküste von Grönland umgeben hatten, plötzlich sich gelöst hätten und mächtige schwimmende Eisberge noch im 40. Breitengrade zu finden seien. Seit 1779 hatten die Nordpol-Expeditionen geruht; diese Nachricht rief sie mit neuer Kraft in’s Leben. Mit der ersten derselben ging Franklin 1818 unter Segel; sie blieb ohne Erfolg, Ein Jahr später befehligte er eine zweite, die von den nördlichsten Niederlassungen der Hudsonsbai-Kompagnie nach Norden ging; von dieser gelangte er nach Erduldung des furchtbarsten Elends erst 1822 nach London zurück. Auf einer dritten Reise, die er 1825 antrat, gelangte er bis 70° 30′ nördl. Br. und 150° westl. L. und kam erst 1829 wieder nach England. Hohe Ehren empfingen ihn von Seiten des Königs und der wissenschaftlichen Institute. Später finden wir ihn im Mittelmeer und, bis 1843, als Gouverneur in Vandiemensland. Kaum nach London heimgekehrt, wurde der eben dem Sechzigsten zuschreitende Veteran mit der Jünglingsseele abermals an die Spitze einer Expedition in die Polargewässer Amerika’s gestellt, die der alte Nordsegler John Barrow in’s Leben gerufen hatte. Mit zwei tüchtigen, für zwei Jahre überreich verproviantirten Schiffen, Erebus und Terror, schied er am 19. Mai 1845 von Englands Küste auf Nimmerwiedersehen. Die letzte Nachricht von dem hoffnungsfroh Lebenden brachte ein Wallfischfahrer, den er am 26. Juli im nördlichsten Winkel der Baffinsbai angesprochen. Seitdem war’s still, im Nordmeer und in England,
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 263. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_18._Band_1857.djvu/272&oldid=- (Version vom 22.12.2025)