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Wie wir den stattlichsten Bau der Mecklenburger vor uns sehen, ist er ein Werk, das im sechzehnten Jahrhundert begonnen und in unseren Tagen vollendet wurde. Nur der Grund , der Burgwall, auf dem das Schloß steht, zeigt noch die Machtspuren der Obotritenkönige. Von diesen ist Mistizlaw der erste, als dessen Feste (Castrum Zuerin) Schwerin genannt wird; beide Namen erscheinen als einzelne Lichtpunkte in der Dämmerung des elften Jahrhunderts. Erst in der Mitte des zwölften Jahrhunderts tritt mit dem Wendenkönig Niklot die Burg in den Zusammenhang der Geschichte. Sie war der stärkste Schutzwall dieses heidnischen Helden gegen die deutschen Ritter, die mit dem Schwerte für das Kreuz fochten. Der Kampf für die alten Götter war nirgends blutiger, als hier, wo die Völker mit dem alten Glauben ihre alte Freiheit und Unabhängigkeit von den deutschen Herrschern vertheidigten. Die pariser Bartholomäusnacht und die sicilianische Vesper hatten in den Marken der Ostsee längst ihr Vorspiel, das an Gräßlichkeit der Würgescenen beide übertrifft. Nach jeder Unterwerfung rissen die unbändigen Slaven sich von Neuem los, jede Grausamkeit der Sieger schärfte die Waffen der Empörung, und in König Niklot erreichte der Haß gegen das Christenthum seine Spitze. Da begann der Sachsenherzog Heinrich der Löwe seine Kreuzzüge gegen die wendischen Heiden. Niklot ließ seine Burgwälle erhöhen und befestigen, vor allen die von Schwerin. Nach sechzehnjährigem Kampfe und nachdem er, der Uebermacht Schritt vor Schritt weichend, seine Burgen Schwerin, Mecklenburg, Dobin und Illow niedergebrannt hatte, fand er vor seiner letzten Feste, Werle, den Heldentod, im Jahre 1161. Damit brach die letzte Säule des Widerstandes; im Lande war längst ein großer Theil der Bevölkerung ausgerottet und der Rest geflohen oder unterjocht. Heinrich der Löwe war Herr. Er baute die Burg Schwerin wieder auf und gab sie sammt einem Theile des Obotritenlandes dem tapferen braunschweigischen Ritter Gunzelin von Hagen im Jahre 1166 als Grafschaft zu Lehen. Zugleich ward Gunzelin des Löwen Statthalter im Wendenlande. In diese Zeit fällt die Gründung der Stadt Schwerin, in welche schon 1167 der Bischofssitz von Mecklenburg verlegt wurde. Die Grafen von Schwerin blieben im Besitz der, jedenfalls nach deutscher Weise wiederhergestellten Burg fast zweihundert Jahre. Gunzelins nächster Nachfolger, der kühne Graf Heinrich, nahm Theil an einem Kreuzzug in’s Morgenland, machte nach seiner Heimkehr durch seinen vernichtenden Sieg über König Waldemar der Dänenherrschaft an Deutschlands Küsten ein Ende und verschönerte und bereicherte Schwerin und die Burg durch Stiftungen und Bauten, von denen – keine Spur mehr vorhanden ist.

Dagegen grünt Niklots, des Heidenhelden, Stamm noch heute. Selbst ein Heinrich der Löwe war nicht stark genug gewesen, des Slavenvolkes Kraft vollständig zu brechen. Er hatte durch versöhnende Thaten den Troß beugen, er hatte Niklots Sohn, Pribislav, erst mit einem Theil und endlich mit dem ganzen Erbe seines Vaters belehnen müssen. Pribislav ward, mit Beseitigung der wendischen Königswürde, der erste Fürst von