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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band | |
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Mecklenburg; er trat 1170 als Pribislav II. in die Reihe der deutschen Fürsten ein, bekannte sich zum christlichen Glauben, erhielt sogar die Tochter Heinrichs des Löwen zur Frau und ist der erste christliche Ahnherr der Regentenfamilie, die noch jetzt in Mecklenburg das Scepter führt. Derjenige seiner Nachkommen, welcher der erste Herzog von Mecklenburg heißt, Albrecht, brachte die Grafschaft Schwerin an sein Haus zurück, verlegte die Residenz von Wismar nach Schwerin und machte das alte Grafenschloß zum ersten Fürstensitz des Landes, dies Alles um das Jahr 1359.
Fast um anderthalb hundert Jahre später beginnt die Baugeschichte der noch jetzt stehenden Ueberreste des alten Schlosses; von allen Bauten aus den Zeiten der Wenden-Könige, der schweriner Grafen und der ersten mecklenburger Herzöge bis gegen das Jahr 1500 ist längst jede Spur verschwunden. – Sogar die geschichtlichen Nachweise über Ausdehnung, Art und Weise der früheren Bauten sind spärlich; was wir hierüber wie über die spätere Baugeschichte Ausführliches und Zuverlässiges besitzen, verdanken wir dem fleißig forschenden Archivar Lisch in Schwerin, dem wir getrost folgen dürfen.
Nach unserem Gewährsmann unterliegt es keinem Zweifel, daß das jetzige Schloß genau die Stelle der alten obotritischen Königsburg einnimmt. Die Wenden, sagt er, welche Ziegel und Kalk nicht kannten, suchten nicht hinter festen Mauern Schutz, sondern fanden ihre Befestigung in tiefen Morästen oder in Seen, in denen sie Burgwälle, gleich Inseln, aufschütten ließen, deren einziger schmaler Zugang vom Lande her durch persönliche Tapferkeit vertheidigt ward. Mitunter wählten sie auch kleine, nahe am Ufer liegende Inseln in großen Seen zur Aufschüttung ihrer Burgwälle. Die Burg Schwerin war nach beiden Grundsätzen aufgebaut. Sie liegt auf einer kleinen Insel zwischen dem großen schweriner und dem Burg-See. Die obotritischen Burgwallbauten gaben der ursprünglich niedrigen und flachen Insel ihre schöne terrassenförmige Erhebung. Wie der abbrennbare Theil jener ältesten Burgen beschaffen war, weiß man nicht; ebenso wenig, ob schon Graf Gunzelin mit deutschen Baumeistern den Ziegelbau in Mecklenburg eingeführt habe. Sogar von den Gebäuden, welche Herzog Magnus II., an der Grenze des Mittelalters,um 1500, vollendete, sind jetzt in dem Mauerwerke nur noch Ueberreste vorhanden. Man setzte im Mittelalter die Schlösser aus einzelnen selbstständigen Bauten zusammen, von denen bald dieser, bald jener nach Noth oder Bedürfniß erneuert wurde, so daß von einem ganz neuen Schloßbau erst die Rede seyn konnte, als eine entschiedene Hand den Plan einer Um- und Neugestaltung der gesammten Burgbaulichkeiten ergriff. Dies that Herzog Johann Albrecht I. (1547, † 1576) und gilt daher als der eigentliche Erbauer des schweriner Schlosses, welches bis zu dem gegenwärtigen Neubau stand.
Der eigenthümliche Styl, den jene Bauten tragen, ist der der Renaissance, angewendet mit Rücksicht auf das in Mecklenburg allein herrschende Baumaterial, die gebrannten Thonziegeln. Als Muster dieses Styls gilt
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 23. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_18._Band_1857.djvu/32&oldid=- (Version vom 6.12.2025)