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auf und faßte, die volksthümliche Bedeutung eines solchen Hauptdenkmals der schicksalreichen Vergangenheit eines Landes richtig würdigend, den Beschluß, das ganze Schloß zu einem großen geschichtlichen Kunstwerke für Mecklenburg zu erheben. Die Ausführung dieses Beschlusses begann im Herbst 1843, und im Herbst 1855 war der äußere Bau des Schlosses, wie unser Stahlstich ihn dem Leser vor Augen führt, vollendet. Man ist dem Gedanken, den Styl der neuen, den Schloßhof vollkommen schließenden Bauten möglichst dem der erhaltenen Gebäude anzuschmiegen, im Ganzen treu geblieben, und der Erfolg tritt besonders wohlthuend da hervor, wo man der Bauweise Johann Albrechts sich am meisten genähert hat. Als Vorbild für die Neubauten diente das durch den edelsten Renaissancestyl berühmte französische Schloß Chambord bei Blois, unter König Franz I. vollendet. Baumeister mit Rath und That waren: Demmler, Willebrand, Stüber und, für die Schloßkirche, Zwirner, der Meister vom kölner Dom.

Das Schloß von Schwerin besteht jetzt im Aeußern wesentlich aus fünf verschiedenen Theilen, welche ein unregelmäßiges, verschobenes, mit zwei rechten Winkeln nach den beiden Seen hin vorspringendes Sechseck bilden. Diese Theile sind 1) das „Lange Haus“, das die Fronte dem großen See zuwendet, von Herzog Magnus in Mauerwerk errichtet, von Johann Albrecht ausgebaut und restaurirt und gegenwärtig geschmückt mit reichen Thon-Ornamenten aus der großherzoglichen Musterziegelei auf dem Klätterberg vor Schwerin. Die rothen Reliefs auf den grauen Wandflächen machen einen wohlthuenden Eindruck. Nach der Seeseite hin steht an der rechten Ecke desselben ein hoher neuer Thurm. Die Aussicht von diesem „langen Hause“ über den See und seine Umgebung ist entzückend; hier schlug die fürstliche Familie ihre Wohnungen auf. – 2) Das „Neue Haus“ Johann Albrechts, im Restaurationsstyle des Herzogs Adolf Friedrich vor 1620 wieder hergestellt, rechts an das „Lange Haus“ sich anschließend. – 3) Die Schloßkirche, von Johann Albrecht 1563 vollendet, jetzt durch den Anbau eines Chors vergrößert. Diese nach Zwirners nur wenig verändertem Plane aufgeführte Altarkirche, wohl der einzige Kirchenbau aus Sandstein im ganzen mecklenburgischen Lande, zeigt im Aeußern wie im Innern den Reichthum in Formen, welchen der reine Spitzbogenstyl des vierzehnten Jahrhunderts, namentlich in den rheinischen Kirchen, entfaltet. Von großer Bedeutsamkeit ist die innere Ausschmückung der Kirche durch die Glasmalerei, Bildhauerei und Wandmalerei; sie wird dadurch zugleich zur Schatzkammer der größten Werke kirchlicher Kunst in Mecklenburg erhoben. Die Einweihung derselben geschah am 14. Oktober 1855 durch den Oberkirchenrath Kliefoth, welchem man auch den Plan zur Ausschmückung des Inneren verdankt. – 4) Die Flügel nach dem Schloßgarten und dem Burgsee, Neubauten nach dem Muster des Schlosses Chambord, enthalten in der Hauptsache den Tanzsaal, den Speisesaal, die große Hoftreppe und Gemächer des Großherzogs. – Endlich 5) der von einer großen Kuppel überragte Mittelbau nach der Stadtseite, mit der Einfahrt, ein Werk nach dem Plane