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Stübers. Vom Schlosse Chambord unterscheidet sich das von Schwerin, seine großartigste Nachbildung, dadurch, daß es in den Flügeln kürzer ist und über den Souterräns und dem Erdgeschoß drei Stockwerke, also einen höher strebenden Charakter hat. Deshalb sind auch die Eckthürme schlanker und zierlicher und das Ganze mit den verschiedenen Häusern, Giebeln und Thürmen gewährt ein wechselvolleres, burgartiges, imposanteres Bild.

Wie im Innern der Kirche arbeiteten in und am ganzen Schlosse Bildhauerei und Malerei an einer würdigen künstlerischen und geschichtlichen Ausstattung. Die Bildhauerarbeiten an den Außenwänden des Schlosses haben die Bestimmung, dem Beschauer die Hauptperioden der Geschichte desselben und des Landes zu vergegenwärtigen durch Statuen, Büsten, Wappen und Inschriften. Die Glasmalerei hatte auf den 18 Fenstern des großen „Hofsaals“ (auch Hofdönsk oder Hofdornitz genannt) die 18 bekanntesten und hervorragendsten Regenten Mecklenburgs darzustellen. Der Oelmalerei endlich wurde der Thronsaal zur Aufstellung einer Ahnengalerie zugewiesen.

Nicht bloß die Geschichte und die Kunst, auch die Sage hat im Schlosse von Schwerin einen Sitz. Sie führt den Burggeist, „Petermännchen“ um Mitternacht durch die Gänge und Hallen. Das ist aber kein ernster, spitzbogiger, gothischer Geist, sondern ein Gespenst ebenfalls aus der Uebergangszeit von der Renaissance zum Rokkoko, ein putziger Zwerg, runzeligen Angesichts, mit spitzem, weißem Bart, kurzen, krausen Haaren, langem, schwarzem Rock mit engen Aermeln, großen und vorne breiten Schuhen, – offenbar ein verwünschter Hofnarr, der aber leider nichts spricht, sondern nur die Menschenkinder verlacht, ohrfeigt und ihnen die gestohlenen Lämmerbraten entwendet. Es ist nichts mit Dir, Petermännchen! Du hast keine Ahnung davon, wie gut es für die schönen Schlösser wäre, wenn in jedem ein treuer „Kunz von der Rosen“ als wahrheitseliger Geist umginge! Aber reden müßte er, wie der muthige Kunz mit seinem Kaiser geredet hat, nicht bloß Allotria treiben, wie Du, Petermännchen!