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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band | |
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„In einem der schönsten Länder der Erde, welches durch seine Weltstellung, seine Konfiguration, seine plastische Form, seine prächtigen Naturhäfen zu einem der blühendsten Reiche bestimmt ist, herrscht seit fast vierthalbhundert Jahren die hispanische Race, die nichts daraus zu machen wußte als eine Wildniß und Gaunerhöhle. Der große Kulturgeist der Zeit, welcher im angelsächsischen Stamm Beine mit Siebenmeilenstiefeln und eine derbe Faust gewonnen, duldet keine solche Versündigung mehr an der heiligen Mutter Erde, die hier so freigebig ihre schönsten Schätze spendet. Gewaltsam reißt er heute die schönen Länder aus den Händen ihrer unwürdigen Besitzer. Er wird daraus machen, was die Gottheit selbst angedeutet hat, als sie den weiten Kontinent Amerika’s hier zum Isthmus schmälerte, das Senkungsbecken eines großen Binnensees schuf und die hohe Mauer der Cordilleras durch ein Strombett bis zum Grund spaltete – das große Passageland der neuen Welt zum freien Verkehr für alle Völker! Die Macht, welche über den Geschicken der Menschheit waltet, heißt nicht mit Unrecht die unerforschliche. Sie verschmäht selbst Werkzeuge wie Walker und Genossen nicht zu ihren großen und wunderbaren Zwecken.“ So lauten schon jetzt die Berichte über die Vorgänge in Central-Amerika.
Es ist schwer, von unserem europäischen Standpunkt aus und mit unseren europäischen Augen dieses „Staatenbilden und Geschichtemachen auf eigene Faust“ richtig zu beurtheilen. Auf den Fußspitzen über die Schranken unserer Verhältnisse hinüber blickend in das Gewühl eines schrankenlosen Parteitreibens, eines unaufhörlichen Durcheinanders von List, Gewalt, Verrath und Verbrechen, finden wir den Faden nicht, an dem auch dort die Geister bestimmten Zielen zueilen, wir bewerfen mit dem schärfsten Urtheil die Kämpfe selbst, weil wir nur die wilde Leidenschaft der Kämpfer, nicht den Sporn, der sie treibt, und den Kampfpreis, der sie lockt, verführt oder begeistert, vor Augen haben. – Nichts in der Welt ist geeigneter, das Urtheil zu klären und zu mildern, als ein vergleichender Blick auf ähnliche Zustande in geographischer Nähe, wenn sie auch historisch uns fern liegen sollten.
Vorher setzen wir uns jedoch mit der Benennung dieser nordamerikanischen „Freischaaren“ in Ordnung. Die Presse Europa’s und Amerika’s nennt sie Flibustier, das ist ein aus Freebooters (Freibeuter), verkrüppeltes
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 29. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_18._Band_1857.djvu/38&oldid=- (Version vom 6.12.2025)