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Suchen wir, um endlich zum Vergleichen zu kommen, nach ähnlichen Erscheinungen in Europa, so müssen wir weit zurückgehen in der Geschichte, zurück bis zu den Anfängen der Staatenbildung, – also in eine Zeit, wo Europa noch so jung war, als Amerika jetzt ist. Das ist es, was Niemand übersehen sollte, der seinen Stein aufheben will gegen das allerdings traurige, ja grauenvolle Kampfgewühl in dem zukunftwichtigsten Länderstrich Amerika’s, ein Kampfgewühl, das sein Ende finden und zu festen Zuständen hinführen wird, wie die Hunderte sammt und sonders unabsehbar gewesener Fürsten- und Völkerkriege Europa’s.

Als Europa’s erste Flibustier erscheinen die Argonauten. An diese Flibustier der Mythe schließen sich die Buccanier der Geschichte: die Römer, von denen sogar die Sabinerinnen geraubt werden. Bei der Gründung der vielen kleinen Staaten in Südost-Europa, der Königreiche, Republiken und Kolonien, erkennen wir, je nachdem das Land oder das Meer der Hauptkampfplatz ist, Buccanier- oder Flibustierzüge mit all der Auszeichnung von Tapferkeit, Grausamkeit und blutigem Humor, die wir in Amerika wiederfinden. Zahlreiche Ebenbürtige schwärmten an den Küsten und Grenzen des vorchristlichen Germaniens und Galliens, Skandinaviens und Britanniens. Die Ruhe dreier Welttheile – und nur deswegen nicht mehrer, weil man damals nicht mehre kannte – erschütterten sie zuerst im Geleite der Völkerwanderung, die mit den Hunnen aus Asien nach Europa kam und mit den Vandalen in Afrika endigte. Aber die Muster und Meister aller Flibustier in Europa und Amerika sehen wir im Jahre 449 nach Christo jene Flagge aufhissen, die – noch heute an ihrem Mastbaum flattert. Die Angeln und Sachsen, geführt von ihren Seeräuber-Häuptlingen Hengist und Horsa, gingen zu Schiff nach England, zu Hülfe gerufen von einer unterliegenden Partei, gerade so wie Walker nach Nicaragua, und sie eroberten jenes Land, wie vielleicht Walker dieses erobern wird, und behielten es. Aus ihrem Räuberwerk erwuchs das großmächtige britische Reich. – Es ist ein großes, stolzes, herrliches Volksleben, das in Englands Geschichte vor uns liegt. Das eigene Vaterland und den ewigen Lehrer rein menschlicher Weisheit, das klassische Alterthum, ausgenommen, verdient kein Volksleben eine so genaue innige Beachtung, als das britische, nach allen Phasen seines nationalen Bewußtseins und nach allen Radien, auf welchen die tausend Fühlhörner seiner Industrie- und Handelsspekulation vom kleinen England aus nach jeder Seite der Peripherie des Erdkreises hinaustasten. Der Engländer, der kluge und kühne Pilot und Rechenmeister Europa’s, er fand den archimedischen Punkt, der die Erde trägt, und legte auf ihr den Grundstein seiner Macht: an der langen, allumfassenden Kette der Bedürfnisse und der Civilisation schleppt er die Völker hinter sich her, Bedürfnisse und Civilisationsliebe schaffend und befriedigend gewann er die Herrschaft: die Weltherrschaft! Aber Flibustier ist er geblieben. Gehetzt von dem alten angelsächsischen Blut hat er bis in sein hohes ehrwürdiges Alter herauf immer von Zeit zu Zeit noch einen Flibustierzug ausgeführt, sei es gegen das Eigenthum (Kopenhagen 1807, Preußen 1807 etc.), sei es gegen den Gewerbfleiß