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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band | |
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Im Süden des Gebirgs Ararat, im türkischen Lande der Kurden und Armenier, verzeichnet die Geographie einen großenSee auf ihren Karten, dessen Umrisse bis jetzt nach Muthmaßungen gezogen worden sind. Es ist der Wansee, eines der vielen salzigen Gewässer Kleinasiens. Vor dem Jahre 1847 war es nur wenigen Reisenden gelungen, einen forschenden Blick in diese Terra incognita zu werfen. Am weitesten drang wohl der französische Konsul Brant, von Erzerum aus, vor. Er rühmt namentlich die sorgsame und treffliche Feldkultur der Armenier am Wansee, welche beim Säen die Körner nicht durch Handwürfe unregelmäßig zerstreuen, sondern die Saat durch Säemaschinen regelmäßig verbreiten sollen. Dagegen lebt ein großer Theil der Kurdenstämme noch nomadisch, und durch deren Wildheit und Ungastlichkeit ist das Land dem Fremden lange Zeit so gut wie versperrt gewesen. Der gefürchtetste Häuptling war Beder-Chan; seine Macht erstreckte sich rings um den Wansee bis Mossul, und er war es, der den Vernichtungskrieg gegen die Nestorianer und die chaldäische Bevölkerung jakobitischen Glaubens in Kurdistan so lange fortsetzte, bis Omer Pascha in der Schlacht auf der Hochebene von Dschesireh, am 30. Juni 1847, die Schaaren desselben zerstreute und ihn selbst gefangen nahm. Seitdem konnte man in Kurdistan reisen „mit dem Gelde auf dem Kopf“, was im türkischen Styl so viel heißt, als Ruhe und Ordnung waren vollkommen hergestellt. Die Städte Dschesireh, Dschelamerk und Wan, das mit seinem Kastelle ein Hauptsitz Beder-Chans gewesen war, erhielten türkische Besatzung.
Unser Bild zeigt das Werk der Natur und des Menschen von der kühnsten Seite. Dort kommt der Granit in sehr mächtiger Entwickelung vor. Er bildet hohe, steile, kahle, röthliche Felsen, welche der Verwitterung stark widerstehen und nur spärliche Vegetation tragen. Auf einem solchen ragt die stolze Burg, deren Erbauung das Volk, wie dort alles Große aus alter Zeit, der Semiramis zuschreibt.
Ein Blick auf die Karte und in den Charakter der Kurden bietet uns für die Zukunft dieser schönen Länder auf noch lange hinaus nur trübe Bilder. Unser geistvoller Moritz Wagner wird Recht behalten mit seiner Ansicht von den Folgen des Siegs Omer Pascha’s. Die Stämme, sagt er, werden eine Zeit lang ruhig bleiben und ihre Häuptlinge keine offene Auflehnung gegen die Autorität der Pforte versuchen. Aber das Volk wird bleiben, wie es war, nomadisirend, raublustig, sich in seinen Gebirgen als freien Herrn betrachtend und die Autorität
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 36. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_18._Band_1857.djvu/45&oldid=- (Version vom 6.12.2025)