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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band | |
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der türkischen Statthalter verspottend. Bei der zunehmenden Entvölkerung und Verarmung der Städte, bei dem fortschreitenden Siechthum des türkischen Reichs in Asien, wird das Vorhandensein eines zahlreichen, streitbaren und trotzigen Gebirgsvolks für die Pforte eine dauernde Verlegenheit und Gefahr bleiben. Anatolien kann kaum eine andere Zukunft haben, als, entweder in völlige Auflösung und Anarchie verfallend, eine Beute selbstständiger Barbarenhäuptlinge, oder ein Anhängsel des nordischen Kolosses zu werden, dessen Fußtritt der feige Armenier, der entartete Stadttürke geduldig erträgt, während Kurdistan, vielleicht die Rolle Tscherkessiens mit weniger Heldenmuth, aber mit derselben zähen Beharrlichkeit nachspielend, aber noch heftiger durch mohammedanischen Fanatismus und Christenhaß entflammt, das Trauerspiel des Kaukasus noch über den Schluß dieses Jahrhunderts hinaus verlängern wird.
Das Interesse, welches diese Wasserfälle früher allein in Anspruch nahmen, ist geschmälert worden durch die Stadt Rochester, die sich den Strom unterthan und seine berühmten Katarakte zu einem Theil ihrer Sehenswürdigkeiten gemacht hat. Der romantische Zauber des Naturwunders ist geflohen vor dem Maschinengeklapper, welches das majestätische Brausen der Wogen grell durchlärmt, ja, die Amerikaner behaupten sogar, daß das bei spiellose Wachsthum der Stadt Rochester ein viel größeres, bewunderungswürdigeres Wunder sei, als die Genessee Fälle selbst.
In der That ist jenes Wunder groß und der Amerikaner hat Recht, wenn er behauptet, daß das Sprüchwort „Rom ist nicht an Einem Tag gebaut worden“ nur vor der Entdeckung der neuen Welt erdacht sein könne. Große Städte steigen dort zusehends aus dem Boden. Man sieht sie wachsen, wie man, nach der Volksredeweise, das Korn wachsen hört an heißen Sommertagen. Es ist nicht Uebertreibung, sondern Thatsache, daß schon mancher Knabe, der nur wenige Monate auswärts in einer Kostschule zubrachte, bei der Heimkehr vergeblich nach dem alten Bild seines Geburtsorts suchte.
Zur Zeit des Kriegs von 1812 war der Grund und Boden von Rochester noch eine Wildniß. Hier hatten der wilde Indianer und das kaum wildere Raubthier ihre Lager am funkelnden Gestade des Genessee. Nur
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 41. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_18._Band_1857.djvu/50&oldid=- (Version vom 7.12.2025)