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Das Schloß Leopoldskron bei Salzburg.




Die Geschichte hat eine große Macht über die Augen der Menschen. Es liegt ein grauer Stein am Weg; die Geschichte erzählt Dir, da sei ein edler Held in einem guten Kampf gefallen, und siehe, wie strahlt der Stein in Deine Augen! Mit Ehrfurcht betrachtest Du das schmucklose Denkmal eines großen Schicksals und gehst still, aber mit erhelltem Blick von dannen. Ein andermal stehst Du vor einem Werke der Kunst und des Glanzes, Du freuest Dich schon des stolzen reizenden Bildes; da erzählt Dir die Geschichte, hier habe kein guter Geist gewaltet, das Unglück für Tausende sei hier entsprungen, und siehe, ein dunkler Schleier senkt sich plötzlich über die Pracht, Du schaust sie mit Wehmuth oder mit Ingrimm an und gehst still, aber mit verdüstertem Blick von dannen.

Das schöne Schloß, das sich in der klaren Fluth des Teiches spiegelt, von Parkbäumen umrauscht und von dem kühnen Alpenhaupt und den Thürmen und Zinnen Hohen-Salzburgs überragt, lacht Dich recht freundlich an. Betrachte Dir’s noch einmal, ehe die Geschichte ihren dunklen Schleier darüber rollt.

„Salzburger Emigranten“ nennt die Geschichte jene 30,000 Unglücklichen, welche ein Kirchenfürst, ein Erzbischof der Religion der Liebe und Duldung, der Humanität und der heiligsten Weisheit erbarmungslos um ihres Glaubens willen von Haus und Hof, aus den Fluren und von den Bergen ihrer alten theuren Heimath trieb. In langen klagenden Zügen wanderten sie nach Norden, verhöhnt und mißhandelt vom katholischen Pöbel Bayerns, mit aller Liebe und Freude empfangen, gastlich bewirthet und ehrenvoll geleitet von ihren Glaubensgenossen. Noch vor wenigen Jahren stand an einem Thore der Stadt Koburg eine steinerne Kanzel, von welcher aus der oberste Geistliche die Vertriebenen willkommen geheißen und ihnen eine Predigt gehalten hatte, die mit den Worten schloß:

So seid willkommen nach langem Hoffen!
Herz, Thor und Thüren steh’n Euch offen. –