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welches keine Ansprüche auf politische Wichtigkeit erheben konnte, in vieler Beziehung dem Land und Volk zum Vortheil gediehen. Hat die oft beklagte Vielstaaterei schon in den meisten größeren deutschen Ländern wenigstens dahin geführt, daß für die Förderung und Verallgemeinerung der Bildung des Volks sorgsamer und erfolgreicher gearbeitet wurde, als in allen großen Nachbarstaaten, die sammt und sonders in dieser Hinsicht tief unter Deutschland stehen, so ist dies im höchsten Grade der Fall in dem Thüringerlande. Alle dazu gehörigen Staaten und Staatentheile (circa 200 Quadratmeilen) sind allerdings nur von ungefähr 1⅕ Million Menschen bewohnt, aber unter diesen ist kein einziger Erwachsener von geistig gesunder Organisation zu finden, der nicht wenigstens lesen und schreiben könnte. Selbst das höchste und versteckteste Bergdörfchen hat seine gute Schule, und selbst im strengsten Winter laufen und steigen die Schaaren der Kleinen aus den vereinzelten Weilern, Höfen, Fabriken und Mühlen nach diesen Bienenstöcken der ersten Weisheit. Jedes Städtchen hat seine Sonntagsschule, seinen Gesellenverein, seine Liedertafel, denn gesungen wird überall; und jede der Residenzen, Exresidenzen, Haupt- und Gelehrtenstädte ist im Besitz von Sammlungen für Wissenschaft und Kunst, welche, wenn sie in einer Hauptstadt vereinigt würden, die größten Schätze der mächtigsten Staaten an Reichthum übertreffen müßten. Weit über eine Million Bände zählen die öffentlichen Bibliotheken der Hauptstädte Thüringens, die Kunst- und Naturaliensammlungen (man denke nur an Gotha, Weimar, Jena, Meiningen, Rudolstadt, Koburg!) messen sich, vereint, mit denen mancher großen Königsstadt. Thüringens Produktion auf dem Felde der Kunst und der Literatur beträgt an Menge und Werth beinahe die Hälfte von der des österreichischen Kaiserstaats, die von Mailand, Wien und Venedig ausgenommen. Außer diesen Städten kann sich keine andere Stadt Oesterreichs mit der literarischen und artistischen Produktion von Gotha, Weimar, Jena und Hildburghausen messen. In der Geschichte der deutschen Literatur bleibt dem Thüringerlande der Ruhm, daß die höchste Blüthe derselben in ihm gepflegt wurde. Nicht Preußen, sondern Thüringen verdient den Ehrennamen des Landes der Intelligenz.

Auch auf Gewerbe und Verkehr erstreckt sich der wohlthätige Einfluß der geistigen Aufgewecktheit der Bewohner dieser Kleinstaaten. Thüringen ist als Gebirgsland sehr stark bevölkert. Auf den 77 Geviertmeilen, welche die Thüringer Berge bedecken, wohnen über 300,000 Menschen, trotz dem, daß der Waldboden die Hälfte jenes Flächeninhalts einnimmt. Da muß die Hand das verdienen, was das Land nicht gibt; daher das rege Manufaktur- und Fabrikleben in allen Thälern und wasserreichen Gründen des Gebirgs. Ueberall Pochen und Hämmern, Glühen und Blasen, Räderkreisen und Rauchwirbeln, hohe Schlöte und rauschende Wehre, springende Minen und Fäustelschlag tief im Schooß der Erde und hoch am schwindelnden Felshang, Eisen und Gewehre, Messer und Scheeren, Glas, Porzellan und Steingut, Papier und Schwamm, Pech und Olitäten, Schiefertafeln und Spielwaaren gehen aus Thüringen hinaus in die Welt. Der thüringer Balsamsträger war einst eine oft