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ersehnte Erscheinung in jedem Haus und eine sehr beliebte Figur auf den nürnberger Bilderbögen. Und wie arbeiten die Schneidemühlen für die Schiffswerften der Nordsee! Ueber 400 Sägen rasseln zwischen den Wäldern. Der Glashütten sind über 20; ebenso der Porzellanfabriken, für welche wieder mehr als 1000 Porzellanmaler beschäftigt sind, von dem einfachen Mann an, der die blauen Schnörkel auf die wohlfeilsten Tassen malt, bis zu jenen Künstlern, welche mit den Porträts von Luther und Napoleon, dem alten Fritz und Paganini, Hecker und Haynau die Pfeifenköpfe hundertweise zieren. Die nährende Brust von Land und Volk des Gebirgs ist aber und bleibt der Wald. Da rauchen die Weiler allerwärts, Holzflöße schwimmen auf den Flüssen, die Axe seufzt unter der Last der Nutzhölzer, die in die Manufakturen, und des Brennholzes, das in die Fabriken wandert. Ein Stück des Waldes ist selbst der Vogelhandel, in dessen Hauptort, Breitenbach, durchschnittlich 4000 Singvögel, besonders Finken, schlagen und zwitschern, während Waltershausen als hohe Schule der Gimpel (Dompfaffen) in ganz Thüringen berühmt ist.

Sogar die vielen schönen Straßen und Wege, welche Thüringen und sein Gebirg nach allen Richtungen dem Verkehre öffnen, verdanken theilweise Entstehung und Erhaltung der Vielstaatenschaft des Landes. Wie über die Alpen Heerwege, so waren es hier nicht selten Lustwege, sogenannte Alleen, welche einen Verkehrsstraßenbau einleiteten. Die Nothwendigkeit, entlegene Jagdschlösser durch bessere Straßen sich näher zu bringen, ist früh eingesehen worden und hat viel Gutes gestiftet. Daß der Handel gute Wege braucht, dieser Lehrsatz hat zwar viel später Anerkennung gefunden, ist dafür aber weltherrschend geworden. Die vortrefflichsten Straßen besitzt das preußische Thüringen, das rings um den Kyffhäuser, wo Kaiser Friedrich Barbarossa ebenfalls auf bessere Zeiten wartet, den reichen Aehrenschmuck der goldnen Au entfaltet. Die 60,000 bis 100,000 Eimer thüringischen Weins aber, welche den Bergen um Jena, Naumburg und Freiburg entquellen, vermehren den Ruhm der Saale und der Unstrut fast in gleicher Weise, wie die 10,000 Centner wasunger Tabaks den der Werra.

Wir haben das Anerkennungswerthe anerkannt, uns des Guten im und am Lande gefreut; verschweigen wir nun auch nicht das, was auf ein anderes Blatt gehört. Was in Thüringen Großes geschah, aus Thüringen Großes hervorging, war nie thüringisch, sondern es war entweder deutsch, wie die große Literaturepoche in Weimar, oder gehörte der ganzen Welt an, wie Luther’s Reformation. Was aber bloß und allein thüringisch war, trug den Charakter der Verhältnisse des Landes, es blieb kleinlich. Thüringen, das deutsche Land der Mitte, ist das Heimathland der Kirchthurmspolitik und der wohlgepflegten Mittelmäßigkeit. Die beschränkten Verhältnisse und Beziehungen der Staaten wirken in einzelnen Richtungen auf die Begriffsgestaltung und Willensrichtung der Köpfe ein. Die Grenzpfähle stehen so eng, daß sich die Leute nicht frei bewegen, sondern immer wie mit der Befürchtung, man könne bei einem kräftigen Schritt einem difficilen Nachbar in’s Gebiet stolpern. Wer Großes,