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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band | |
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mehr als Thüringisches, in Thüringen anstrebt, hat einen schweren Stand, es wäre denn, er hätte einen Beschützer von Oben, oder die Begabung, sich von Unten den gegebenen Verhältnissen scheinbar anzuschmiegen. Wer mit offenem Schritt sein fernes unverhülltes großes Ziel verfolgt und dazu das Unglück hat, auch mit seiner Lebens- und Staatsanschauung die deutlich angestrichenen Grenzpfähle zu überspringen, für den steht das Procrustesbett bereit. – Die Angst, es könne „aus einer industriellen Maus ein politischer Elephant“ werden, hat schon viel Unheil angerichtet und manchen braven Mann mit gebrochenem Herzen unter den Rasenhügel gebracht. – Wir haben ein theueres Grab hier, darunter ruht Einer, der an den ächtthüringischen Verhältnissen gestorben ist, ein Geist, wie seit Luther kein Zweiter in Thüringen mit der Leuchte der Wahrheit und dem Schwert des Wortes aufgetreten! Unsere Leser kennen ihn, den Gründer dieses Universums, den Genius, welchen die hämischen und launigen Kobolde und Zwerge unter und über der Erde so lange mit Steinen, Knüppeln und Koth bewarfen, bis er seinen Stab nahm und für immer von dannen ging.[1]
Thüringen, und besonders der Thüringerwald, ist dadurch, daß das Dampfroß bis zu dessen Nordfuße vordringt, während der schönen Jahreszeiten reich an nordischem Besuch. Da flötet die weiche Sprache des Ostseebewohners, da singt der süße Sachse, da klappert die berliner Zunge, bauschige Reifröcke rauschen den Wasserfällen des Gebirgs zum Trotz, der Zwicker sitzt im verzerrten Auge, und das milde Urtheil der großen Welt findet Alles so passable, so nett! Die Natur bleibt aber ewig gesund und jung und schön, da lacht die grüne Erde den blauen Himmel so offenherzig an, wie die Augen der schmucken, starken Kinder des Gebirgs Dich anlachen, die Berge tragen ihre Buchen-, Eichen- und Tannenkronen stolz auf den Felsenstirnen, und die Wiesen der Thäler schmücken mit der buntesten Pracht sich und die Quellen und Betten ihrer köstlichen Gewässer. Diese Natur macht sich gar nichts daraus, ob die zweibeinige bezwickerte, verputzte und verzerrte Unnatur noch so wohlwollend und herablassend auf ihr herumsteigt. Ich höre eine Stimme vom Südabhang des Gebirgs her, die singt, was wahr ist:
DerThüringerwald
Ist im Winter gar kalt,
Und die Bäume ganz weiß
Und die Wege voll Eis!
Ihr Leutle, packt auf
Und geht emal ’rauf,
Wenn’s Frühjahr zur Nacht
Die Thürle aufmacht!
Die Blümle! Die Gründle!
Die Wälder! Die Berg’!
Was ist da der Mensch
Für ein lausiger Zwerg!
Die besuchtesten Punkte des Gebirgs sind im östlichen Theile die kaiserliche Schwarzburg und das Felsenspalier des Schwarzathals, die prachtvolle Klosterruine von Paulinzelle, Blankenburg mit den Trümmern des
- ↑ Ueber das Leben und Wirken Joseph Meyer’s erscheint demnächst eine besondere Schrift im Bibliographischen Institut, auf welche wir im Voraus dieses deutschen Mannes zahlreiche Verehrer und Freunde aufmerksam machen.
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 52. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_18._Band_1857.djvu/61&oldid=- (Version vom 7.12.2025)