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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band | |
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Häuser des Dorfs unter. Jetzt weiter! Neben dem Fürstenpalais siehst Du das Theatergebäude; da erblickt man das Brunnenhaus und einen Theil des Dorfs. Vor dem Kurhaus ist ein prächtiger Platz, da geht’s allen fünf Sinnen so gut, daß der ganze Mensch froh wird. Das Auge erfreut sich am Blick in das heitere Werrathal, die vortreffliche Musik der herzoglichen Kapelle von Meiningen entzückt Dein Ohr, dieselben Lüfte, welche, über die klaren Gewässer hin und zwischen den rauschenden Blättern der Bäume hindurch wehend, so erfrischend auf Dein Gefühl wirken, tragen die Wohlgerüche des Blumenflors Dir zu, und wenn gar an Sonn- und Feiertagen die bildschönen Töchter des Gebirgs kommen und in ihrer malerischen Tracht vor Dir dahinschreiten, und die kräftigen und sonoren Stimmen des steinbacher Singvereins unter den Baumhallen aufsteigen, da muß auch Dein Geschmack eine stille Freude empfinden über die perlende Gottesgabe! Wenn dies nicht, so bist Du ein krankes Menschenkind, das in die Wanne gehört, und dahin wollen wir sogleich gehen. – Da sind wir wieder am Theatergebäude, und mit diesem ist das Badehaus verbunden. Hier findest Du Wannen von inländischem Marmor, eine Douche, ein Gasbad; auch Sool- und Seesalzbäder sind da zu haben. Zum Trinken des Heilquells gehen wir in das Brunnenhaus, ein heiteres Rund, von einer Kolonnade umgeben, welche die Glaskuppel trägt. Die Quelle, zu welcher eine Steintreppe mit Geländer führt, strömt binnen 4½ Minuten ¼ Eimer Wasser aus, und keineswegs von dem Wasser, welches „es freilich nicht thut!“ Der Surborn (Sauerbrunnen), wie er im Volksmund heißt, ist ein klares, farbloses, starkperlendes, erdig-salinisches Eisenwasser von salzig-prickelndem, tintenartig-zusammenziehendem Geschmack. In einem Pfunde desselben haben berühmte Sachverständige 26 Kubikzoll Kohlensäure, 2 Gran kohlensaures Eisen, 2½ Gran Kalkerde und 2 Gran schwefelsaures Natron gefunden. Es nimmt somit unter den Eisenwassern Deutschlands eine vorzügliche Stelle ein, ist in Ansehung des Geschmacks dem von Pyrmont und Driburg fast gleich, verändert seine Eigenschaften nicht, wirkt (getrunken oder zugleich zu Bädern gebraucht) reizend, stärkend und zusammenziehend auf das Gefäßsystem, die Muskeln, Fasern und Nerven, die Schleimhäute, die äußere Haut, und schafft bei hypochondrischen, hysterischen und vielen anderen Uebeln Heilung. Wem dies Alles nicht genügt, wer sein Heil auf kaltes Wasser setzt, der findet rechts vom Kurhaus die Gebäude der mit allem Nothwendigen, mit Apparaten zu Regenbädern, aufsteigenden Douchen, Quellbädern, Theil- und Sturzbädern, ausgestatteten Kaltwasser-Heilanstalt. Nur Eines findet er in Bad Liebenstein nicht: Spielhöllen! Wer die sucht, muß anderswohin gehen, und „Niemand gibt ihm das Geleit.“
Weil nun, ob dieses Spielhöllen-Mangels, die Kurgäste nicht nur volle Zeit zum Gesundwerden, sondern auch zum Naturgenuß haben, so wollen wir rasch an Allem vorbeifliegen, was dem liebensteiner Gast jene „Salons de jeu“, zu deutsch „Bänke der Schande“ ersetzt. Da gehen wir vom Kurhaus gleich zum Erdfall, einer
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 54. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_18._Band_1857.djvu/63&oldid=- (Version vom 7.12.2025)