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der Weinstein umzog das edle Naß fest mit einer krystallenen Haut. Bei Glücksbrunn geht gar ein goldener Hirsch um: der zeigt den Reichthum an, der in den verlassenen Schachten der Berge der Erlösung harrt; und wie geht’s gar in den Gruben um! Da gibt es Gnomen und Gnomiden, winzig klein und riesengroß, und schöne und schreckliche Geschichten in Menge. Ueber’m Luthersbrunnen unter dem Gerberstein haben Nonnen, deren Kloster einst dort stand, auch einen großen Schatz vergraben. Eine der Nonnen hat sich dorthin verwünscht und läßt sich als schöne weiße Jungfer sehen. Sie ist besonders Kindern gut und gibt ihnen Beeren und Kirschen und Blumen. Erlöst ist sie noch nicht, ebenso wenig wie ein häßliches Kleeblatt im Flußberg, hoch im Gebirg über Liebenstein: ein Mezger und Wirth, ein Müller und ein Grenzsteinverrücker; die sind von einem Jesuiter und Pöpelsträger dort in ein tiefes Loch gebannt und spielen Karte und raufen sich bis in Ewigkeit. Und was in und bei den großen und kleinen Seen Alles vorgeht! Wie herrlich schauerlich ist das! Gar neckische Streiche üben auch die Wichtelmännlein aus, die in den Grotten und Höhlen hausen. Aber der Bonifaciusthurm, der an dem Bonifaciusfels sich anlehnt, zeigt Dir die wahrhaftigen Fußstapfen eines großen Mannes, und der Luthersfuß, der in einem Stein beim Glasbach sich abgeprägt hat, gibt Dir einen Wink, daß Möhra in der Nähe ist und die Luthersbuche und die Luthersquelle, und wie hoch der Mann im Volke steht, daß er nicht nur ein Held der Weltgeschichte, sondern auch der Sage geworden ist.

Dagegen liegt die Geschichte von Burg und Bad Liebenstein etwas abseits vom breiten Strom der Weltgeschichte, von dem nur hie und da eine Welle verheerend in das Thal schlug. Wer die ersten Steine zum Bau der Burg hat anfahren lassen, weiß Niemand. Vielleicht war es der Rheinpfalzgraf Siegfried, der es mit den thüringischen Grafen gegen Kaiser Heinrich IV. hielt. Einen solchen Erbauer kann sich jede Burg gefallen lassen, denn er wird von den Chronisten als der „allerfreudigste und beherzteste Fürst“ gepriesen. Eine andere noch glänzendere Möglichkeit ist die, daß von den henneberger Grafen, denen das nahe Laudenbach gehörte, des berühmten Minnesängers Otto von Bodenlaube Saitenspiel auch in diesen Hallen erklang. Aus der Blüthezeit des Ritterthums besitzt man nichts Schriftliches über Liebenstein; erst gegen das Ende des 14. Jahrhunderts beginnen die Urkunden mit den üblichen Erb-, Schenk-, Pfand- und Lehenbriefen. Recht hell wird der Burg Geschichte erst durch die Flammen des Bauernkriegs. Ringsum brannten viele Klöster und Schlösser, auch widerspenstige Dörfer, nach dem kräftigen Spruch der Bauern: „Mit gethan oder todt geschla’n!“ Einer der Junker vom Stein zu Liebenstein hörte damals die Pfaffen in Barchfeld nach Anleitung seines Textes Joh. 21, wo Petrus sagt: „Ich will fischen gehen“ den Bauern predigen, daß die Fürsten und Herren gleich den Hechten seien, welche die andern Fische auffressen. In der gerechtfertigten Angst seines Herzens gab der Junker sofort, noch an der Kirchthür, seinen Bauern vollkommene Fischereifreiheit in allen Gewässern seines Gebiets. Und das ganze Dorf zog zum