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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band | |
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Ellen hoch war die Mauer, also noch einmal so hoch, wie unser Kirchthurm, und 50 Ellen breit und 250 Thürme standen auf der Mauer, und wer um sie herum gehen wollte, hatte einen Weg zurück zu legen von Koburg bis Gotha. Und dann erzählte er von den hängenden Gärten, die einst Nebucadnezar aufgebaut, aus Liebe zu seiner Gemahlin. Denn diese stammte aus Medien und sehnte sich so sehr nach ihren waldigen Bergen, daß der König diesen künstlichen Bergpark errichtete, Terrasse über Terrasse auf mächtigen steinernen Pfeilern, hoch mit Erde bedeckt und durch ein Pumpwerk reichlich bewässert. Und als die südliche Sonne Bäume, Gesträucher und Blumen hatte gedeihen lassen zu der Königin Freude, nannte Nebucadnezar diesen hängenden Park sein schwebendes Paradies. Und gar der Thurm zu Babel, wie füllte der die ganze Phantasie aus! Wie weit ragte der über alle Wolken, und wie ärgerten sich die kleinen Lateiner über ihn, weil ohne seine Erbauung die vielen andern Sprachen nicht auf die Welt gekommen wären mit ihren kleinen und großen Brödern und Zumpten und Schellern und But- und anderen Männern nebst all’ den lustverderbenden Exercitien. Dafür hat er’s nun auch, der babylonische Thurm! Seht nur hin, Kinder, das abgebrochene Mauerviereck im Hintergrund unseres Bildes, das ist er! So ist er seit der kurzen Zeit von 24 Jahrhunderten herabgekommen! Was zuoberst prangte, sie sagen über 600 Fuß hoch, das bildet nun hohe Hügel zu seinem Fuß, und er und das wüste Durcheinander der königlichen Paläste und des schwebenden Paradieses sind seit Jahrhunderten, ja schon seit dem Tode des macedonischen Alexanders des Großen als unermeßliche und unerschöpfliche Stein- und Ziegelbrüche in Betrieb genommen worden, aus denen all’ die Dörfer hervorgegangen sind, welche jetzt die Stelle der alten Stadt einnehmen. So geht es, und so wird es einst auch London und allen Städteungeheuern der Erde ergehen. Nachdem sie Dorf um Dorf und Flur um Flur verschlungen mit den Hunderten nach allen Seiten hinaus schnappenden Rachen ihrer Straßen, werden, wenn wieder Getreide auf den Stätten ihrer Märkte und Exercierpläge gedeiht, aus den Trümmern der Prachtpaläste und über den versunkenen Straßen der Armuth und der Laster auch wiederum helle frohe Dörfer erstehen. Ob das wahre menschliche Glück reichere Blüthen treibt zwischen dem Aehrenmeer der Dörfer, oder zwischen dem Häusermeer der Weltstädte, ist dem Weltlauf einerlei, denn aus den glücklichen Dörfern entstehen möglicher Weise wieder unermeßliche Städte und so fort, und Tausende fragen darin: wo wohnt das Glück? – Aber – „ein Narr wartet auf Antwort.“
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 65. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_18._Band_1857.djvu/74&oldid=- (Version vom 7.12.2025)