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Bild desselben vor uns? Von Dünkirchen in Frankreich bis Riga in Rußland herrscht noch heute die germanische Zunge! Vlämisch und holländisch, friesisch und sassisch sprechen die Männer, die von Dünkirchen bis nahe zur dänischen Königsau am deutschen Meere wohnen. Vlämisch-deutsche Liederfeste bewahren noch heute im Volke das Bewußtsein der alten Stammverwandtschaft, und die Friesen Hollands und Deutschlands halten das germanische Völkerband am Dollart zusammen. Ihre größten Triumphe feierte die deutsche Sprache an der Ostsee. Hier hatte sie fast das halbe Norddeutschland für sich erst zu erobern. Das Slaventhum herrschte bis zur Elbe und die Saale entlang bis zur Grenze von Böhmen. Hier drang zuerst die Religion kämpfend vorwärts. Wohin aber die Schwerter der deutschen Ritter nicht reichten, dahin trugen die Schiffe der Hansa deutsche Kultur und deutsche Sprache. Und so herrschen Beide noch immer an den Küsten der Ost- und der Nordsee weit über die Grenzen des jetzigen Deutschlands hinaus. Wie zwei sehnsüchtig und liebend ausgebreitete Arme strecken sich die Sprachgebiete nach West und Ost die Küsten entlang, – ganz so sehnsüchtig und liebend, wie das gesammte deutsche Volk zum Meere blickt.

Wie im Norden die Meere, sind abwärts von den Küsten und bis hinauf zu den Gletscherbächen der Alpen die schiffbaren Ströme die Lieblinge der Deutschen. Den Germanen ist für das Leben des Wassers ein besonderer Sinn eigen. Wo wäre der Bach in Deutschland, dem nicht irgend eine Sage folgte? Wo der Fluß, dessen Ufer nicht Bauwerke des Stolzes oder der Andacht schmückten? Wo der Strom, der nicht seine begeisterten Sänger hätte? Wo sind die Ströme außer Deutschland, die sich messen könnten mit dem Gesangesreichthum der unseren, von den Rheinliedern ohne Zahl bis zu den G’stanzerln, welche der Donau zu Ehren in den Lüften jubeln? Dafür waren auch die Ströme die Träger der deutschen Kultur. Den Rhein von seinen Quellen bis zu den Mündungen halten die Deutschen umlagert, er verläßt ihr Sprachgebiet nicht; Elbe und Oder entlang drang der Deutschen Herrschaft vorwärts, wieder bis zum Meere; und vom Meere an stromaufwärts schoben die Ordensritter Preußens einen germanischen Keil tief in das Polenland die Weichsel entlang.

Und die Donau? Da, wo unser Bild sie Dir vorführt, ist sie mit nichtdeutschem Volke noch nicht in Berührung gekommen, ausgenommen zur Zeit des großen Römerreichs, wo man am rechten Ufer zeitweise viel Latein sprechen hörte. Die Stelle findest Du so ziemlich in der Mitte der Stromfahrt zwischen Passau und Linz, im zweiten der großen Krümmungsbogen, welche die Donau dort zwischen den Gebirgen der beiden Ufer ziehen muß. Unterhalb Haienbach und wenn man an der in schauerlicher Wildniß klappernden Mühle Schlägleiten vorbeigefahren ist, öffnet sich ein sehr enger Felsenpaß, durch welchen der gepreßte Strom mit allem Ungestüm seiner schwellenden Kraft sich hindurchdrängt. Da, wo die Felsen wieder langsam auseinander gehen, der Strom aber noch zornig fort tobt, liegt auf steilem Felsenufer das Oertchen Ober-Mühl und gleich dahinter braust