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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band | |
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Es ist eine alte Lehre der Geschichte, daß die germanischen Völker die umbildungsfähigsten in Europa sind, wenn sie ihre rauhe Heimath mit einer milderen vertauschen, wo Klima und Sitten einschmeichelnd und erschlaffend auf sie einwirken. Den vollständigsten Sieg errang über sie das romanische Element, so lange die Nationen romanischer Zunge ihnen an geistiger Befähigung und Bildung überlegen waren. Selbst wo Deutsche in Masse und als Sieger sich in südlichen Ländern körperlich schwächerer Völker niedergelassen hatten, verloren sie allmählig die Kraft, das Gepräge der eigenen Nationalität sich unverwischt zu erhalten. Nationalität und Sprache verschwanden, und der Sieger unterwarf sich der geistigen Macht der Sprache, der Sympathien und Lebensformen des besiegten Landes. So sind aus unseren Westgothen ächte Spanier, aus unseren Burgundern die besten Franzosen, aus unseren Longobarden die „Italianissimi“ Italiens geworden.
Diese Lehre hat sich in den Anschauungen der Deutschen über Auswanderung und Kolonisation fest gesetzt. Da Deutschland ohne außereuropäische Besitzungen ist, so waren die Deutschen, welche nicht in preußischem oder österreichischem außerdeutschem Gebiete sich niederlassen wollten, gezwungen, im Bereiche fremder Nationalitäten und Regierungen ihren neuen Herd zu bauen. Es konnte demnach, auch als die Auswanderung aus der Vereinzelung in das Massenhafte überging, der Gedanke an eine Fortsetzung und Bewahrung des heimischen Volkslebens im fremden Lande lange nicht aufkommen. Wo ganze Gesellschaften sich an einer Stätte niederließen und ein Gemeinwesen gründeten, nannten sie zwar die neue Heimath gern mit einem vorgesetzten Neu-etc. nach der alten jenseits des Oceans, aber bis zu dem Gedanken an ein „Neu-Deutschland“ erhoben sich die deutschen Einwanderer selbst in den Vereinigten Staaten von Nordamerika nicht. Höchstens einem „New-Germany“ verstattete man die Möglichkeit einer zukünftigen Existenz.
Trotzdem gelang es günstigen Umständen, einer neuen Lehre in der Geschichte Raum zu schaffen. Weniger Absicht und Wille, als die Verhältnisse, namentlich geographische, waren es, welche in den mittleren und den Nord-Staaten der Union zahlreiche Gemeinden, ja ganze Städte deutscher Bevölkerung entstehen ließen, die, bei
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 83. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_18._Band_1857.djvu/92&oldid=- (Version vom 8.12.2025)