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Der treue, edle Rüdiger wußte nichts von dem bösen Sinn der schönen Frau. Recht in Freude über den gelungenen Dienst für seinen Lehnsherrn führte er die Königsbraut auf seine Burg Bechlaren, wo Kriemhilden von seiner Gattin Götelinde und seinem lieblichen Töchterlein „vil michel dienest“ ,„gar freundlicher Dienst“ bereit war. Zu Zeißenmauer geschah dann die Begrüßung Kriemhildens durch Etzel, und dann ward zu der Königsburg an der Donau gefahren und die Hochzeit gefeiert siebzehn Tage lang.

Nach sieben Jahren gebar Kriemhilde dem König Etzel einen Sohn, und im dreizehnten Jahre ihrer Ehe gedachte sie an die Ausführung ihrer Rache an Hagen und den Burgunden. Sie klagte eines Nachts dem König, daß sie von ihren hohen Verwandten noch nicht besucht worden sei, so daß die Leute im Lande sagten, sie sei nur eine Landverwiesene. Der liebevolle Etzel sandte sogleich seine Fiedelleute, Werbel und Swemmel, gen Worms, wohin sie auch Rüdigers Grüße mitnahmen. Abermals warnte Hagen den König und die Seinen vor Kriemhildens Rache; als aber kein Warnen half, begleitete er selbst die Helden auf ihrer letzten Fahrt. Nach vielen Abenteuern kamen sie zu Rüdigers Burg Bechlaren, wo sie herrlich empfangen und bewirthet wurden und wo Kriemhildens jüngster Bruder Giselher Rüdigers Töchterlein erfreite und für die Heimfahrt zum Weib erhielt. Aber Niemand fuhr wieder heim, denn schon die Weise „wie Kriemhild Hagenen empfing“, bereitete den Vernichtungskampf zwischen den Burgunden und den Heunen vor. Kriemhild’s Racheplan siegte, der geschürte Haß verkehrte die Turnierspiele in blutigen Kampf und den Bankettsaal in ein Schlachtfeld. In wenigen Tagen lagen 7000 Helden erschlagen. Da schwur auch Etzel allen Burgunden den Tod und Kriemhild ließ Feuer legen unter den Saal, den die Ihrigen vertheidigten. Die Schaaren der Heunen waren schrecklich gelichtet. Da mußte auch Rüdiger in den Kampf gegen seine Gastfreunde und den Bräutigam seiner Tochter. Die Lehnstreue gegen seinen König und die Treue gegen seine Freunde stritten in seinem Herzen. Er klagte bitterlich:

Owê mich gotes armen, daz ich ditz gelebet hân!
aller mîner êren der muoz ich abe stân,
triwen unde zühte, der gotan mir gebôt.
owê got von himele, daz mih’s niht wendet der tôt!


(O weh mir Gottverlaßnen, daß ich dies sollt’ erleben!
Aller meiner Ehren muß ich mich nun begeben,
Aller Treu und Züchten, die Gott mir angebot.
Weh mir, o Gott vom Himmel, daß mich entledigt nicht der Tod!)

Aber die Lehnstreue siegt über die Freundespflicht. Er scheidet von seinen Freunden, die nun seine Feinde sein müssen, mit den ergreifendsten Klagen, beschenkt Hagen noch mit seinem eigenen Schild, und dann führt er seine Mannen zum Verzweiflungskampf. Reihen der Helden sinken vor seinem starken Arm, die Kämpfer waten im Blute, der Seinen liegen schon viele erschlagen zu seiner Linken und Rechten, und endlich fällt auch er. – Um des Helden Leichnam, wie um ein heiliges Kleinod, beginnt der letzte Kampf, und der endet mit dem Tode aller Mannen Dietrichs von Bern, und mit Gunthers, Gernots, des jungen Giselhers, des bösen Hagens und auch der schönen Kriemhild Tod. „Hie hât daz mær ein ende. ditze ist der Nibelunge nôt.“