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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band | |
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Deinem Recht, so zahle ich mit eisernem Gelde, das kugelrund ist! – Da steckten die Andern die Köpfe zusammen, und der Michel – der Michel erhub die schwere Faust und schlug damit – nicht auf die linke Seite, wo sein großes Schwert hängt, sondern auf die rechte, wo sein klein ledern Geldbeutelein steckt. Er ist halt zu gut von Gemüth! Darum verspotten ihn die Andern. Hat er nicht auch der kugelrunden eisernen Münzen die schwere Meng’ und könnt’ damit zahlen, daß Alle genug hätten? Sie wissen das wohl, die Andern. Darum thaten sie Alle die Beutel auf vor dem Landkönig, und der Michel behielt sein Eisernes und gab schönes blankes Silber hin für das nasse Wasser! – So ist’s geschehen in Europa und – düsse Geschicht is lögenhaft to vertellen, Jungens, aber wahr is se doch!
Mit dem Sunde wären wir nun fertig und abermals auf ewige Zeiten. Aber warum kann ich nicht von dem Bilde loskommen, so langweilig oder – so würdig seines Gegenstandes es auch ist? Davon trägt in diesem Augenblick der Klang eines Posthorns die Schuld. Da unten fährt der rothe Wagen durch den Werragrund und der Postillon bläst die bitter klagende Weise vom „Schleswig-Holstein stammverwandt!“
Braver Schwager, Du beschämst viele mächtige Herren in dem weiten deutschen Reiche! An das größte Verbrechen, das abermals am deutschen Volke begangen wird, mahnst Du von Thal zu Thal die pochenden Männerherzen mit Deiner Melodie des vaterländischen Jammerlieds. Wie sind die Töne dieses Volksgesangs einst erschallt auf den deutschen Sängertagen und haben Tausende begeistert zu lange Zeit verboten gewesenen Gefühlen, und zuerst wieder erhoben zu dem Stolz auf ein gemeinsames Vaterland! Und wie klangen diese Töne unter dem Donner der Geschütze und in der Siegeshoffnung deutscher Heere und ihrer hohen und gefeierten Führer! Die Fahnen aller Farben Deutschlands entfalteten sich bei diesen Klängen, und selbst auf dem Meere erschallten sie in bewaffneten Schiffen, die mit des „Reichs“ dreifarbigen Wimpeln prangten! Wo ist die Zeit hin? Sind’s denn schon hundert Jahre her? Lebt Niemand mehr von den edlen Helden, die dort fochten, von den Fürsten und Prinzen, die dort für Deutschlands Ehre das Schwert führten? Oder war es dort nur ein Spiel der Eitelkeit, ein Gladiatoren-Schaustück für diplomatische Passionen? Sind nicht Thaten geschehen der Unsterblichkeit werth? Ist nicht das edelste Blut dort in Strömen geflossen? Ist alles Gedächtniß daran in Deutschland mit unter den Hammer gekommen, als das Kind des höchsten Wunsches und des weltkundigen Bedürfnisses der Nation vertrödelt wurde bis auf den letzten Anker?
Blickt hin nach Schleswig-Holstein! Betrachtet das Bild recht genau, das dort vor den Augen aller Völker steht. Es ist die gelungenste Darstellung einer großen Sünde an der Nation. Und doch ist es nur eine
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 99. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_19._Band_1857.djvu/109&oldid=- (Version vom 26.12.2025)