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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band | |
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schlechte Kopie. Das Original ist im Jahre 1648 vollendet worden; sein Meister hieß „Westphälischer Friede.“ Als man das Bild zu Münster aufstellte, hat das ganze Volk geweint! Dort quillt des Dichters Klage:
O Deutschland, Deutschland, heil’ge Eiche,
Wie stehst du da so ganz entlaubt!
Das Feuer schlug durch deine Zweige
Und Ast um Ast ward dir geraubt!
Der Krieg hat deine Pracht zernichtet,
Da kam der Friede – über dich!
O, wie hat der dich zugerichtet,
Du armer Baum, erst jämmerlich!
Was dir gelassen Sturm und Flamme,
Das ward des Friedens schnöder Raub;
Er riß die Aeste dir vom Stamme
Und trat die Zweige in den Staub!
Und auf dem Gipfel, drüber nimmer
Ein Doppeladler herrschend kreist,
Sitzt nun, umglänzt von eitlem Schimmer,
Zu Thron der Zwietracht böser Geist.
Wenn auch mit frischen Blätterzweigen
Sich schmückt der Aeste öder Raum:
Dein böser Geist will nimmer weichen,
Germania, du armer Baum!
Oder ist das nicht mehr derselbe Geist, der in Deutschland sein zweihundertjähriges Jubiläum im Jahre 1848 feierte? Wäre das heutige Bild von Schleswig-Holstein nicht das jüngste seiner Werke? Ist’s doch dem so ähnlich, welches der Westphälische Friede vom deutschen Elsaß ausführte! – Der Nachhall der alten Klage geht erschütternd durch die deutschen Herzen. Die Diplomatie hat von den großen Bewegungen der neuesten Zeit nichts gelernt. Sie weiß noch immer nicht, daß die Statistik um einen neuen Theil vermehrt worden ist, der ebenso sorgsam studirt als beachtet sein will. Das ist die Statistik des Volksgefühls! Welche Steuerlast ein Volk ertragen kann, das ist oft erprobt worden; nie aber ist es der Diplomatie zu Sinne gekommen, den Grad der Verstimmung, des Mißmuths, des Zorns, des bitteren Wehes zu messen, bis zu welchem ein Volk gereizt werden kann durch rücksichtslose und ungestrafte Angriffe auf die Nationalehre. In dieser Beziehung ist’s doch anders und besser in Deutschland geworden:
„Es geht ein heil’ger Sturm von Stadt zu Stadt.
Sie spüren’s all’, erwacht aus schwerem Traume:
Deutschland ist eins und jeder ist ein Blatt
Am riesengroßen Wunderbaume!
Schon grollt man jedem fremden Uebermuth,
Es zürnt der Süden, ist der Norden fröhnig!“
Und nicht bloß der Süden, ganz Deutschland zürnt! Es ist zu Entsetzliches, was dort geschieht, es erregt das Kopfschütteln und Hohnlächeln von ganz Europa! Wir müssen uns vom Franzosen deshalb beäugeln, vom Engländer bewitzeln und vom Russen – bedauern lassen! Gälte es in Schleswig-Holstein nichts, als die dänische Ausstöberung
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 100. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_19._Band_1857.djvu/110&oldid=- (Version vom 26.12.2025)