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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band | |
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Lichtenberg sagt: „Es kommt nicht darauf an, ob die Sonne in eines Monarchen Staaten nicht untergeht, wie sich Spanien ehedem rühmte; sondern was sie während ihres Laufes in diesen Staaten zu sehen bekommt.“ – Und im alten Buche der Lebensweisheit steht: „Ein fruchtbarer Garten ist mehr werth, als die größte Wüste.“
Es gibt aber der Wüsten mancherlei. Die Natur hat sie hingelegt zu Wasser und zu Land. Wasserwüsten wird der Seemann nur jene Theile des Oceans nennen, welche dem menschlichen Verkehr verschlossen sind, sie mögen noch so heitere Paradiese sein für warm- und kaltblütige Ungeheuer. Soweit der Kiel die Fluth durchschneidet, ist fruchttragendes Meer, das die entferntesten Nationen zu Geschäftsfreunden macht und eine Gemeinsamkeit ihres Strebens ermöglicht für die höchsten Ziele. – Auch die Wüsten des Festlandes trennen; mühvoll und zwischen tausend Gefahren hin zieht die Karawane von Quelle zu Quelle, nur eine Rast- und Labestätte suchend, um diesen Schauern der Natur zu entfliehen. Mehr als in den Eiswildnissen der Pole ist der Mann, den der Drang zur Erforschung und Beglückung verborgener und verwahrloster Völker unter den senkrechten Strahl der Sonne treibt, hier dem Kampf ausgesetzt mit unbesiegbaren Kräften der Natur und der ungezähmten Natur des Menschen, der auf den Inseln und an den Borden der Wüste wohnt. Das aber ist der Trost, daß hier die Natur der stärkere Feind ist. Anders steht der Freund der Menschheit vor den Völkerwüsten: die macht der Mensch allein!
Oder ist der Ausdruck zu hart für die Erscheinung, die von der Geschichte uns so oft vorgeführt wird und noch in der Gegenwart ihren breiten Boden hat, die Erscheinung, daß auf dem weiten Raume manches Volkslebens nur Oasen von Freiheit, Bildung und ihrem Glück zu erkennen sind und alles Dazwischenliegende diese Oasen nur umgibt, um sie desto beneidenswerther zu machen? Hat noch Niemand ein Land gefunden, in welchem er Tage lang nur seufzend arbeitende Menschen sah, denen der Schweiß aller Anstrengung weiter nichts abwarf, als die nothdürftige Erhaltung des thierischen Theils ihres Menschenlebens? Gibt es wirklich keine Länder
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 104. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_19._Band_1857.djvu/114&oldid=- (Version vom 27.12.2025)