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mehr, wo Menschen, Geschöpfe Gottes wie wir, sogar zum eisernen Vieh gezählt werden können? Freilich stehen, seitdem das Christenthum die Begriffe von Gottheit und Menschheit veredelt und den großen, die ganze neuere Civilisation beherrschenden Gedanken der Gleichheit und Gleichwürdigkeit aller Menschen vor dem höchsten Wesen ausgesprochen hat, Sklavenstaaten, ob kaiserliche oder demokratische, auf der tiefsten Stufe sittlicher Kultur und sind Gegenstände der Klage, Mahnung und Verachtung aller Menschenfreunde; – aber nicht minder groß sind die Wüsten, wo, ohne leibliche Sklaverei, dem Geiste des Volks die Bildung vorenthalten wird, die allein den Menschen aus dem Thierstand erhebt und ihn fähig macht, die Gaben des Fleißes und der Natur in Freiheit zu genießen, menschlich glücklich zu sein! Ueberall, wo nur Einzelne dieses Glücks theilhaftig sind auf Kosten Vieler, ist noch Völkerwüste, unwürdig der Religion, durch welche Europa Weltbeherrscherin geworden ist, und von höchster Gefahr für diese Religion selbst und die gesammte Civilisation. Das Schlimmste ist aber, daß es nur solche Völkerwüsten sind, von denen der Mensch sich rühmen kann, daß in ihnen die Sonne nicht untergeht, und sie sind reich an Allem, was nur immer Land- und Wasserwüsten schrecklich macht: an tausend Mühseligkeiten für die Karawanen des Fortschritts, an unvergleichlichen Gefahren und Kämpfen für den Mann, den der Drang zur Beglückung verwahrloster Völker unter ihre Sonne treibt, und reich endlich an hohnlachenden Paradiesen für warm- und kaltblütige Ungeheuer.

Um so freudiger begrüßen wir ein Fleckchen der alten Erde, in dem freilich die Sonne jeden Tag auf- und untergeht, ja, das sie mit einem Blick überschaut, aber der thut ihr wohl! Das ist ein Ländchen, wo, umgekehrt von der Wüstenregel, auf Kosten Einzelner Viele glücklich geworden sind. Und schön ist das Ländchen! Ich habe es mit den leuchtenden Augen beseligenden Hochgefühls durchschritten und kann Dir was davon erzählen.

Wie gekrönte Herren hat auch das Ländchen zwei Titel, einen kleinen und einen großen; mit jenem heißt es einfach „Graubündten“, mit diesem aber: „Republik der drei Bünde im hohen Rhätien.“ Das strahlt stolz wie Alpenglühen! Und stolz zu sein haben die Männer von Bündten zwei und ein halbes Recht: ein ganzes, auf ihr Land, ein ganzes, auf ihre Geschichte, und ein halbes, auf ihre Verfassung.

Es ist ein Land voll Pracht und Wunder der Natur. Als ob die Schöpfung hier ihren Centralalpenschmuckkasten aufgestellt hätte, bietet Graubündten alle Herrlichkeiten, Schrecknisse und alle Anmuth der gesammten Schweiz innerhalb seines Granitrahmens, der höchstens 140 Geviertmeilen umschließt. Wer aus der Höhe, aus der Vogelperspektive einen Blick hinabthun könnte, der sähe auf ein wahrhaftes Netz von Gebirgen und Thälern und