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noch fremd, die Freiheit geht noch ungetrübt durch alle Thäler und wohnt noch glücklich bei der Armuth auf den Bergen, deren Zwingburgen alle gebrochen sind.

Es ist nicht immer so gewesen; die Männer im Lande mußten die Freiheit sich hart erkämpfen. – Wir wollen nicht mit den Gelehrten streiten, wer die ersten Bewohner dieser Bergwelt waren. Gehen wir gleich dahin, wo das Licht der Geschichte uns leuchtet. Da sehen wir drei durch Sprache, Sitte und Berge getrennte Völker sich in die Thäler des Landes theilen: Deutsche, Romanen und Italiener, alle drei wiederum geschieden in ebenso viel selbstständige Gemeindewesen, als die trennende Bergnatur auf den Höhen, an den Abhängen und in den Thälern und Schluchten nur immer Raum zu abgeschlossenen Niederlassungen vorräthig hatte. Diese von der Natur gebotene Abgeschlossenheit ward der Grundzug im Charakter des ganzen Volks vom hohen Rhätien. Jede Gemeinde regierte sich selbst, machte sich Gesetze, die, unaufgeschrieben, von Mund zu Mund forterbten, und kümmerte sich um die nächsten Nachbarn so viel und so wenig, als um die Welt draußen, der man nicht bedurfte und vor welcher Jahrhunderte lang Unwegsamkeit der beste Schutz war und die Gletschermauern sie verbargen. Auch die Zertrümmerer des Römerreichs schonten den wunderlichen Staatsbau und ließen ihn in Allem so, wie sie ihn fanden. Aus diesen glücklichen Urzuständen wurde das Volk gerissen, nicht durch das Christenthum, sondern durch die habgierigen Pfaffen, und nicht durch das Königthum, sondern durch den herrschgierigen Adel. Was man dem Volke zur Erhebung und zum Schutz errichtet hatte, Betzellen und Kapellen, Wachthürme und Burgen, das ward in ungerechten Händen zum Mittel der Unterdrückung, Aussaugung und endlich der vollständigen Knechtung desselben. Als die Frankenkönige ihres Reiches Grenzen um das hohe Rhätien zogen, erstand Kloster um Kloster, jedes reich ausgestattet mit Hab und Gut der umwohnenden Gemeinden, die Landschaften wurden als Lehen an Feldoberste und Hauptleute vertheilt, und die Wehren und Warten verwandelten sich in Zwingburgen. Hochalemannien hieß damals das Land, nach seinem Obervoigt, dem Herzog von Alemannien. Als das Reich zerfiel, wurden auch hier die Diener zu Herren, und reichsfreie Grafen und Ritter beherrschten mit der Geistlichkeit Hand in Hand ein Volk, das nur noch aus Leibeigenen, Zinsbaren und Freigelassenen bestand. Die Freien im beherrschten Lande waren zu zählen. Nur die Gemeinden der höchsten unzugänglichsten Bergthäler waren entweder unentdeckt geblieben oder, als zu unbequem für den Arm der Tyrannei gelegen, vergessen worden; und diese bewahrten die Kunde von der alten Freiheit und Unabhängigkeit des ganzen hohen Rhätien treu wie eine heilige Legende.

Wie allenthalben, wo das Recht gestorben ist, war auch hier das Gewissen einzelner Machthaber der einzige Schirm des armen Volks; solcher Guten fanden sich immer, aber wenige. Die Mehrzahl der Ritter und Pfaffen scheute sich nicht vor den bösesten Thaten. Obwohl es nun damals weder mißliebige Zeitschriften gab,