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Streit an Streit und klirrten die Waffen bald mitten im Lande, bald jenseits der Grenzen. Der Selbstständigkeitstrotz der Bauern hielt selbst den Entwickelungstrieb aus dem rohen Gemeindeleben zur staatlichen Ausbildung lange nieder, und erst 1820 gelang es der Partei der Patrioten, eine neue Verfassung in’s Leben zu rufen, die hinsichtlich der Gerichtsorganisation im Jahr 1850 durch die rastlosen Bestrebungen des Reformvereins wesentliche Verbesserungen erfuhr. Der Kanton wurde dadurch, statt der früheren 26 Hochgerichte und Gerichte, in 14 Bezirke eingetheilt, an die Stelle der Hochgerichte und Gerichte traten Kreisgerichte, und statt des früheren kleinen Raths, der aus drei Mitgliedern (einem aus jedem der drei Bünde) bestand und die vollziehende Gewalt bildete, wurde eine Regierung mit ausgedehnteren und bestimmter begrenzten Befugnissen an die Spitze der Republik gestellt. Haben wir in diesem Ländchen den schönsten gothischen Aufbau demokratischer Staatsform vor uns, sehen wir, wie jede Gemeinde sich selbst regiert, jeder Bund seine eigenen Rechte wahrt und endlich die höchste frei gewählte Spitze in der Vereinigung der drei Bünde zur Republik im hohen Rhätien aufragt, erkennen wir, wie in der Natur des Graubündtnerlandes die gesammte Schweiz, so auch im Volksleben die Eidgenossenschaft hier im Kleinen wieder, freuen wir uns der aus diesem Unabhängigkeitsstolz erwachsenen kernhaften Charaktere, die in den gesunden, starken Leibern sitzen und aus den selbst im weiblichen Geschlecht scharf ausgeprägten Gesichtern hervorblicken, so überkommt uns dagegen wieder nur zu oft das Gefühl der halben Befriedigung zwischen diesen Bergen. Nur Freiheit und Bildung schafft ein ganzes Menschenglück. Wie weit die Völker mit Bildung ohne Freiheit vorwärts gelangen, kann der Leser jeden Tag selber beobachten; daß aber Freiheit ohne Bildung eben so schlimm ist, dafür zeugt gar Manches in diesem sonst so beneidenswerthen Lande. Die Schuld daran trug die Verfassung, und deshalb gestattete ich oben den Graubündtnern nur ein halbes Recht zum Stolz auf dieselbe. Die Gemeindesouveränität geht hier zu weit, und zwar deshalb zum Schaden des Ganzen, weil jeder einzelnen Dummheit Thür und Thor aufgethan ist. Nur Bildung macht wahrhaft frei; der Unwissende ist, mitten in seiner Freiheit, der Knecht jeder List. Aristokratie und Hierarchie sind thatsächlich in Graubündten niedergekämpft, die Gewalt Roms ist männlich, muthvoll und glücklich zurückgeschlagen, aber der schlaue Pfaffe herrscht doch, und der kluge Holzhändler und der italienische Viehhändler verderben so viel am Land und Volk, ziehen beiden so viel Saft und Kraft aus, als weiland der Junker. Und dies Alles ist die strafende Folge der Vernachlässigung der Volksschulen. Die souveräne Gemeinde muß nicht auf gute Lehrer und fleißigen Schulbesuch halten, sie braucht’s nicht, sie will’s nicht und thut’s auch nicht, und sie folgt in ihrem Bauerntrotz darin genau dem, was der katholische Klerus mit Gewalt durchsetzen würde, wenn er sie hätte. Die Gemeindesouveränität hilft ihm aber noch bequemer zu seinem volks- und freiheitsfeindlichen Ziel. Alles, was von der Regierung ausgeht, ist vortrefflich, ihre Anordnungen und Unternehmungen bezeugen einen großen, überblickenden Geist, dafür reden