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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band | |
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deren mächtiger Verwandtschaft Generationen Unglücklicher durch das Leben schleppte: die Sklaverei wurde erblich für Herr und Eigenthum, es wurden Menschen als Sklaven geboren. Der Wissenschaft fällt es nie schwer, umfassende Erscheinungen des Daseins in ein System zu bringen, und so unterschied man im Verlaufe der Zeiten politische Sklaverei, unter welcher Montesquieu, der in seinem „Geist der Gesetze“ diese Eintheilung zuerst aufstellt, nichts weniger als den knechtischen Zustand ganzer Völker zu verstehen scheint, von bürgerlicher oder Privat-Sklaverei, d. h. derjenigen, durch welche ein Mensch einem andern so zu eigen gegeben wird, daß dieser der unumschränkte Herr des Lebens und des Erwerbs und Eigenthums von jenem wird, und endlich von Haus-Sklaverei, als derjenigen, welche innerhalb der Familie, namentlich im Morgenland und besonders auf den Weibern lastet.
Die politische Sklaverei ist nicht, wie Montesquieu sagt, im Klima begründet, sondern sie ist bedingt durch die Summe der Bildung eines Volks und den Einfluß derselben auf die gesellschaftlichen Zustände und die Staatsverfassungen. Wo wäre das Klima, wo die Wehen oder wenigstens Nachwehen dieser Sklaverei sich nicht noch im modernen Staate fühlbar machten? Und auch die Haussklaverei ist nicht auf Asien und Afrika beschränkt; auch in den meisten Ländern von Europa erreichen die jammervollen Zustände des Weibes in den untersten Volksklassen nicht selten einen Grad, der sie von der Sklaverei nur dem Rechtsbuchstaben nach unterscheidet. War doch noch bis jüngst in England der „Verkauf der Weiber“ in gesetzlicher Anwendung!
Die bürgerliche Sklaverei nahm an Härte in dem Grade zu, als sie eine immer reichlicher fließende Erwerbsquelle wurde durch Sklavenhandel und durch Sklavenarbeit. Mit der steigenden Zahl der Sklaven verlor ihr menschlicher Werth und im selben Verhältniß stieg die Grausamkeit gegen sie. Die Gesetze, die besonders in den letzten Zeiten des alten Roms zu ihrem Schutze erlassen werden mußten, öffnen den Blick in einen Pfuhl von Scheußlichkeiten. Augustus verbot, Sklaven den Bestien vorzuwerfen; ein Vadius Pollio ließ die Muränen seiner Fischteiche mit Blut und Fleisch geschlachteter Sklaven füttern, weil das Fischfleisch dadurch einen feineren Geschmack erhalten sollte; unter Trajan endlich mußten in öffentlichen Fechterspielen binnen 123 Tagen nicht weniger als 10,000 Gladiatoren mit 11,000 wilden Thieren den Todeskampf bestehen. Die Folgen dieser unermeßlichen Greuel waren die Sklavenkriege: an der Spitze von 60,000 Sklaven brachte der tapfere Gladiator Spartacus das stolze Rom zum Zittern. Um so gräßlicher war die Rache der geängstigten Sieger: längs der Straße von Rom nach Capua wurden in einer Doppelreihe 6000 Sklaven an’s Kreuz geschlagen. – Ueberall, wo die Germanen in Europa zu Herrschaft kamen, ging die Sklaverei, die sie allenthalben in härtester Ausbildung vorfanden, nach und nach in die mildere Form der Leibeigenschaft über. Die alte Welt war an der Sklaverei zu Grunde gegangen; das Christenthum hatte beiden den letzten Stoß gegeben. Nicht dieselbe Macht vermochte
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 125. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_19._Band_1857.djvu/135&oldid=- (Version vom 27.12.2025)