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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band | |
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bestehendes und unangetastetes, und selbst der Sklavenhandel hatte noch sein Spekulationsfeld. Konnte in der Anschauung jener Zeit der Schritt so groß sein, für ein Klima, dem der Europäer, und eine Arbeit, welcher der Ureinwohner des Landes zu erliegen drohte, den starken, des senkrechten Strahls der Sonne gewohnten Neger zu erwerben, den man in seiner Heimath wie außer derselben allenthalben nur als Sklaven kannte? – Es soll damit der Sklaverei an sich nimmermehr das Wort geredet sein, aber wo Thatsachen der Geschichte vor uns stehen, ist es ohne Zweifel verständiger, zu erklären, wie sie möglich waren, als sich in Deklamationen der Entrüstung zu ergehen.
Einmal begonnen und als gutes Geschäft erkannt, mußten Sklaverei und Sklavenhandel in entsetzlich steigenden Schwung kommen. Der Gewinn war enorm, besonders in der ersten Zeit, wo in Afrika der Sklave um zwei bis drei Maß Branntwein feil war. Hier ist’s schwer, an sich halten, beim Anblick des doppelten Giftes, das die Hand christlicher Civilisation in die rohen Massen goß: die Erregung der Gier nach einem Genuß, für den diese Unglücklichen Alles dahin gaben, der Fürst seine Unterthanen, der Vater die Kinder, der Sohn die eigene Mutter, – und Preis und Folgen des Genusses! Die ersten Sklaven waren von den Portugiesen, gegen Ende des 15. Jahrhunderts, nach Amerika gebracht worden; die Spanier eiferten ihnen rasch nach, andere seefahrende Nationen thaten desgleichen, alle aber wurden überflügelt durch den „fast wahnsinnigen Eifer“, mit welchem England das Geschäft in die Faust nahm, und zwar schon seit 1562, wo Königin Elisabeth das erste Privilegium auf Negerhandel ausstellte. Für frei wurde derselbe vom Parlamente erst 1698 erklärt. Während des 17. und 18. Jahrhunderts blieben die Engländer unübertroffen auf diesem schmutzigen Plan; ja, so über alles Maß dehnten sie ihn aus, daß die nordamerikanischen Kolonien Englands sich bitter beschwerten über die Ueberfluthung des Landes mit Negern. Pennsylvanien, Georgien, Virginien, Südcarolina bestürmten vergeblich König und Parlament mit Bitten um Abhülfe von dieser Last: „die englische Regierung müsse um jeden Preis einen so werthvollen Handel in Blüthe erhalten“, war die Antwort im Oberhause. Endlich stellte sich sogar als politische Absicht Englands heraus, in diesen Negermassen ein Gegengewicht gegen etwaige Abhängigkeitsgelüste seiner Kolonisten bereit zu machen in ähnlicher Weise, wie dies das blinde Spanien in neuester Zeit auf Cuba thut, und hoffentlich mit demselben Erfolge.
Das ist die Weise, auf welche die Vereinigten Staaten von Nordamerika in den Besitz der Sklaverei gekommen sind. Wie einst in Rom hat auch hier die Republik sie als eine traurige Erbschaft vom Königthum empfangen, und beiden, weder der größten Republik des Alterthums noch der der neuen Zeit, hätte eine verhängnißvollere vermacht werden können. Das schwarze Eigenthum war da und betrug einen sehr großen Theil des Privatvermögens in den Südstaaten. Nach den großen Opfern, welche der Unabhängigkeitskrieg auch
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 127. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_19._Band_1857.djvu/137&oldid=- (Version vom 27.12.2025)