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heben sich in sanften Linien vom Horizonte ab und ziehen ihren großen Kreis um uns als bläulich dämmernder Kranz.

Paris ist der Extrakt von Frankreich, nicht bloß in geistiger und finanzieller Beziehung; auch die äußere Erscheinung Frankreichs findet sich in Paris in verjüngtem Maßstabe wieder. Denn wie, nach Rosenkranz’ sinniger Darstellung, Frankreich als das von der Natur am meisten abgerundete Land, als das Land vor uns steht, welches mit einer festen, in sich abgeschlossenen Einheit zugleich die größtmöglichste Fähigkeit zur Verbindung nach außen verknüpft, so erkennen wir als die Grundgestalt von Paris einen Kreis, dessen Durchmesser ein Fluß und dessen Umfang eine Hügelkette ist. Von dieser äußersten Peripherie, jenen lieblichen Höhen mit der reizenden Abwechselung von Schlössern und Landhäusern, kleinen Ortschaften und Mühlen, Wäldchen und Gärten, schlagen immer engere Kreiswellen rückwärts zu einem gemeinsamen Mittelpunkt. Den zweiten Kreis bildet der Festungsgürtel mit den sechzehn schwer gefaßten Edelsteinen desselben, den detachirten Forts. Auch sie erschrecken nicht mit dem finsteren Umsichgrollen mittelalterlicher Zwingburgen, sondern blicken hell und heiter herüber, diese Wölfe im Kleide der Unschuld. Näher rückt uns der Kranz der Mauer, welche die zahlreichen Vorstädte umschließt und an welcher die äußeren Boulevards sich hinziehen mit ihren immer vollen Weinschenken zwischen Friedhöfen und Schlachthäusern. Den nächsten Kreis bilden die Prachtstraßen der inneren Boulevards, und den kleinsten Ring könnte man in dem Palästegürtel der Tuilerien und des Louvres mit ihren Gallerien erkennen, mit dem Carousselplatze als Mittelpunkt, wenn nicht das Palais Royal den Vorzug verdiente, weil dort der Glanz des Bürgerlebens die längste Zeit seinen Mittelpunkt hatte.

Diese Scheibe von Kreisen ist durchschnitten nach allen Spitzen der Windrose hin durch die Verkehrslinien, die der Mensch zog. Staats- und Landstraßen, Kanäle und Eisenbahnen gehen und laufen, rennen und jagen von allen Straßenenden der Stadtmauern hinaus ins Weite, oder stürmen herein, wie Du willst, lieber Leser; das Bild unbändigster Rastlosigkeit wird hier selbst von der Nacht nicht verwischt.

Zwischen diesem am Geist und am Herzen zehrenden Gewühl des Spielzeugs ihrer großen und kleinen, guten und bösen, armen und reichen pariser Kinder wandelt die Seine wie eine beruhigende Mutter hin. Ein schiffbarer Strom ist mit all’ dem Drängen und Treiben auf ihm eine würdigere Erscheinung, als eine Straße, sei sie von Holz oder Erde, Stein oder Eisen. Diese geht nicht selbst, es geht nur auf ihr hin und her. Der Strom verfolgt sein eigenes Ziel. Er duldet und unterstützt den Menschen, er lehrt ihm Muth und Vorsicht, und er bestraft ihn und begräbt ihn gelegentlich; er verbindet und vereint, was an beiden Ufern gemeinsam und sich unentbehrlich ist, und er trennt, wie die unübersteiglichste Mauer, Alles, was nicht zusammen gehört, und sichert Jedem den Raum zur eigenen Entwickelung. Gerade davon legt die Seine hier das glänzendste Zeugniß ab.