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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band | |
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zu gründen auf Menschenelend. Nicht die spätere Entdeckung macht es zur neuen Welt. Eine neue Welt kann es und soll es werden durch das Zeugen und Emporbilden einer neuen Menschheit, deren Beruf es sein wird, die alte Welt zu verjüngen und die Segnungen der Bildung und Freiheit abermals weiter zu tragen, als es dem edlen Willen und der Kraft der alten Welt vergönnt war. Soll dieser amerikanische Weltgang der Kultur beginnen wie der der alten Welt, mit Kette und Peitsche der Sklaverei? – Wie viel sind die 3000 Millionen Dollars nordamerikanischen Negereigenthums werth einer solchen Möglichkeit gegenüber!
Ein zweitausendjähriges Römerwerk! Pont du Gard, die Brücke des Gard, eines Nebenflusses der Rhone, inwelche er unweit Beaucaire mündet, ist der noch vollständig erhaltene Theil einer römischen Wasserleitung, welche der Stadt Nismes zwei Quellen aus dem Thale von Uzès vier Meilen weit zuführte. Die drei Bogenreihen des herrlichen Baues erheben sich vom Spiegel des Flusses 182 Fuß bis zur Höhe der steilen Hügel beider Ufer. Die unterste Reihe hat 6 Bogen von je 62 Fuß Höhe und 58 Fuß Durchmesser und eine Länge von 498 Fuß, die mittlere 11 Bogen von je 60 Fuß Höhe und 56 Fuß Durchmesser und eine Länge von 800 Fuß; die oberste Reihe von 35 Bogen von je 24 Fuß Höhe und 17 Fuß Durchmesser und einer Länge von 829 Fuß, trug in einer Breite von 4 Fuß die ehemalige Wasserleitung. In der mittleren Reihe waren die bedeutend dickeren Pfeiler so kunstreich durchbrochen, daß dieser Theil des Aquädukts zugleich als Brücke für Reiter und Fußgänger diente. Die unteren Pfeiler hatten eine Dicke von 18 Fuß. So stand das Werk der Römer, nachdem die übrigen Theile der Wasserleitung längst zerfallen waren, für die späteren Jahrhunderte noch als Brücke in hohen Ehren.
Als Erbauer des Riesenwerks gilt Marcus Agrippa, des Kaisers Augustus Schwager. Im Jahre 19 v. Chr. nach Gallien gesendet, um dort ausgebrochene Unruhen zu stillen, gewann er die Zuneigung des Volks dadurch, daß er das Land durch kostspielige Bauten verschönerte. Diesem Streben verdankt die Umgegend von Nismes viele der römischen Alterthümer, durch welche sie berühmt ist. Die Brücke des Gard überdauerte die
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 131. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_19._Band_1857.djvu/141&oldid=- (Version vom 31.12.2025)