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Chagres in Mittel-Amerika.




Auf der Ostküste der Landenge von Panama, westlich von Porto Bello, ist der geographische Punkt unseres Bildchens zu suchen. Das alte Kastell von San Lorenzo beherrscht hier die Mündung des Flusses von Chagres – des Alligatorflusses, Rio de los Lagardos, wie die Spanier ihn nannten – und beschützt das an seinem Fuße liegende, nach dem Waldsaume sanft aufsteigende Dorf der Eingeborenen, das ebenfalls Chagres heißt. Dieser Schutz würde, in einem Falle der Noth, freilich wenig zu bedeuten haben, das Kastell ist aus Mangel an Reparaturen beinahe Ruine geworden, denn der Sandstein, aus dem es erbaut ist, verwittert schnell in dem feuchten Klima. Das Haus des Kommandanten gleicht ebenfalls einer Ruine, aber aus Holz. Nur die Armirung zeugt von besseren Tagen der Befestigung. J. Fröbel sah dort noch über dreißig eiserne und zehn bronzene Kanonen und große Pulver- und Kugelvorräthe. Ueberaus großartig und reizend ist die Aussicht vom Kastell sowohl nach dem Meer und der langen, vom Urwald bedeckten Küstenlinie, als nach den Waldhügelwellen des Landes und dem Thal des Flusses, der ebenfalls im dunklen Schatten des Walddickichts daherzieht.

Die Einwohner von Chagres sind eine äußerst starke und wohlgebaute Raçe, entstanden aus einer Mischung indianischen, afrikanischen und etwas spanischen Bluts. Man wird überrascht durch die nicht seltene Erscheinung sehr angenehmer und intelligenter Gesichtszüge. Ihre Sprache ist die spanische, und auch ihre Tracht zeigt namentlich bei den Frauen, wie Fröbel sagt, die halbwilde Eleganz der gemischten Volksklassen der spanisch-amerikanischen Länder. Vor Allem erfreut die allgemeine Reinlichkeit dieser farbigen Bevölkerung. Gerade sie machte einen doppelt wohlthätigen Eindruck damals, wo auf der anderen Seite, am linken Ufer des Chagres, eine nordamerikanische Niederlassung, „langhaariger, bärtiger, ungewaschener, ungekämmter, blasser, hohläugiger Männer, von denen Mancher die schwere Tasche eines zerlumpten Kleidungsstücks vorsichtig mit der Hand zuhielt“, pilzartig aufgeschossen war, als die Reiseroute der kalifornischen Passagiere noch über Chagres ging. Seitdem Aspinwall diesen Reisestrom an sich gezogen, ist die ganze breterne, branntweinduftende Kolonie wieder verschwunden.