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Gelüste der bösen Geister, von denen Wochenkindern und schwarzen Katzen die meiste Gefahr droht. Die Männer lagern wieder im Kreis um den Herd, der große Becher geht von Hand zu Hand, Gusla (Art einsaitiger Geige) und Dudelsack ermahnen von Neuem die Männer an ihre Heldenlieder, und die Frauen stehen emsig am Herd. Sie backen Maiskuchen in der heißen Asche, schneiden die Castradina, den knoblauchduftenden Hammelschinken, und bieten den Männern dar, was fertig ist. Da wird der heiße Kuchen in Branntwein gekühlt, und der silberglänzenden Scoranza zartes Fischfleisch genossen in dem Oele, das Bruder Waso aus dem Gürtel des letzten Türken nahm, dem er neulich bei dem Kampfe am See (von Skutari) den Kopf abgeschnitten. Von Zeit zu Zeit verläßt ein Mann um den andern Sitz oder Lager, um zur Abschreckung der bösen Geister in die Nacht hinaus zu feuern. So wechseln Schießen und Schmausen, Trinken und Singen, bis das Licht der Sonne an des Kindes Lager tritt und die Geister der Finsterniß gebannt hält.

Wie des Herdes Flamme steigt höher und höher der Männer Begeisterung, wenn die Lieder ertönen zum Preise der alten Helden ihres Volks. Da erzählt der graue Alich mit aufloderndem Jugendfeuer, die Gusla wie ein Schwert schwingend, von dem großen Serbenreiche, von dem König Lazar und der Türkenschlacht auf dem Amselfelde[1], in welcher der Serben Thron und Reich zertrümmert wurde und die Freiheit floh in die schwarzen Berge von Zeta, wie einst des Landes Name war. Da schnarrt der Dudelsack wie von selbst und das Lied erschallt von Milosch Obilich, dem Todeshelden, der allein in’s Türkenlager drang und den Sultan Amurad erdolchte mitten in seinem Heere. Der Becher kreist zum Andenken der That, und die Augen blicken auf den grauen Alich. Der erzählt von dem tapferen Enkel des großen Fürsten Baoscha (Georg Balscha), dem Stephan Cernojevich, der mit dem Albanierhelden Georg Skanderbeg die Türken schlug, und von seinem Sohn, der letzten Hoffnung Montenegro’s, von dem Ivan Cernojevich, der in der Höhle bei den Trümmern der Burg Obod im Grabe schläft, von Zauberern bewacht. Wenn aber der Tag der Rache kommt für Serbien und Zeta, da wird Ivan heraufkommen mit einer unsichtbaren Schaar und die Kämpfer führen von Sieg zu Sieg, bis der Serben Thron wieder steht und die Cernagora reicht vom blauen Meere bis zum grünen Lim, soweit Ivans Schwert reichte, als sein Fürstenstuhl noch zu Zabljak stand, der Türkenstadt am See von Skutari. Mit dumpfem Gemurmel beginnen die Männer der Serben größtes und schönstes Lied von der Hochzeit des Sohnes Ivan, und sie enden, in den Schmerz der Trauer versunken. Die aufgehende Sonne begrüßt finstere Augen in der Festhalle, der Geist Ivans grollt aus ihnen. Wir scheiden und wandern wieder rüstig aufwärts den starren Gipfeln der schwarzen Berge entgegen.


  1. Am 15. Juni 1389.