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hier und schwärmt in die Ferne. Tief unten, daß man einen Stein in die ummauerten Höfe werfen möchte, dehnt das schöne Dobrota seine Wohnungen, Gärten und Fluren aus, und zur Linken trotzen und wachen die Festungsmauern von Cattaro. „Und doch gar oft vergeblich,“ lacht unser Führer, die lange Flinte wie zum Triumphe schwingend. „Wenn der arme Hirte der Berge auf der kahlen Klippe sitzt, den Muth im Herzen, die Kraft in den Gliedern und die herrlichen Waffen zur Hand, und hütet die Geiß, die mühsam die Halme aus dem Gesteine zupft, und ist so arm und hungrig, wie sie, so erblickt er da unten, wo die süßen Früchte an den Bäumen wachsen und das fette Gras so dicht auf dem weichen Boden steht, den faulen Hirten bei der großen Heerde, der liegt im schattigen Grün und ißt. Aber er trägt auch Waffen. Wer Waffen trägt, muß ein Held sein. Ein Held muß kämpfen, wie die Männer der schwarzen Berge. Sollen sie es lassen können, bisweilen zu prüfen, ob die da unten tapfer sind? Und thut’s die Kampflust nicht, so thut’s die Noth. Die Helden der Berge sind arm.“ So spricht der Führer, und die Frauen nicken ihm Beifall zu. Ich aber schweige, denn mein Auge schwimmt in Wonne. Es folgt den Krümmungen der Bocche di Cattaro von einem ihrer Spiegel zum anderen. Dort blickt als äußerster Wächter am Seethore Castelnovo herauf, wo wir morgen rasten.[1] Und darüber dehnt sich in endloser Herrlichkeit das Meer der Adria aus, und wie winzige weiße Pünktchen im Blau ziehen darauf her und hin die Segel und Flaggen aller Nationen! – „Nur Cernagora hat kein Meer und ist fremdes Salz und darbt auf seinem schwarzen Felsen, seit Ivan schläft“ – so murrt der Führer, und selbst die schönen Blicke der Frauen verdunkeln sich und Alle überschattet die düstre Trauer.

Wir wandern weiter. Höhe um Höhe wird überstiegen. Da stehen wir am Rande des höchsten Gebirgskessels vom ganzen Lande, und in dessen Mitte liegt der Flecken Niegosch, die steinerne Wiege der Tschernogorzen, der unzugänglichste, älteste, volk- und geschichtereichste Ort von Montenegro. Von dem Berge Niegosch in der Herzegowina kamen hierher geflüchtete Trümmer des Serbenvolks, hier gründeten sie die neue Heimath, hier wuchs der Stamm ihrer Fürsten und Oberpriester, und hier war es, wo im Jahre 1703 ein heiliger Christabend in eine fürchterliche Mordnacht verwandelt wurde gegen alle mohammedanischen Bewohner der schwarzen Berge. Denn auf den Bergen, sagt der Führer, waren Scepter, Schwert und Kreuz in Einer Hand, seit Ivans Sohn, Georg Cernojevich, als er seines Weibes willen von der Heimath schied und zu den falschen Venetianern ging (im Jahre 1516), den Metropoliten von Cettinje zum Wladika erhob, bis auf Danilo, der wieder ein Fürst ohne Priestergewand ward und ein Weib nahm. Des großen Ivan anderer Sohn, Stanischa, war dem Glauben


  1. Im nächsten Hefte.