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untreu, war in Stambul Türke geworden, und die Nachkommen seiner Anhänger traf die Rache in der Mordnacht von Niegosch.

Das Hochland um Niegosch verzweigt sich in mehre Thäler, und weil es größere und viele Heerden ernähren konnte, so hieß man es Katunska-Nahia, den Sennerei-Bezirk. Von den 100,000 Bewohnern Montenegro’s hausen hier 24,000. Zu diesen zählen unsere beiden Begleiterinnen. Unser Führer grüßt deren Haus mit dem üblichen Schuß, der sogleich rings von allen Höhen erwidert wird. In den schwarzen Bergen knallt und kracht es schier unaufhörlich, den Feinden zum Zeichen, daß das Volk munter ist. Auch die männlichen Verwandten der Frauen entladen vor allen Dingen ihre Gewehre und eilen dann erst zum Willkomm herbei.

Wir aber können der gastlichen Einladung nicht folgen, sondern eilen unserem heutigen Bestimmungsort, Cettinje, entgegen. Unser Weg führt durch eine Felsenöde, in welcher nur der zähe bedürfnißarme Bergmensch Freudenblumen sieht, die ihn mit Heimweh fesseln. Wie oberhalb Triest auf dem unheimlichen Karstgebirg, dessen dichte Kalkstaubwolken mich noch heute in der Erinnerung drücken, sind es auch hier nur die einzelnen trichterförmigen Vertiefungen, welche etwas tragbaren Boden bewahren. Die größten derselben haben gegen drei Morgen Ausdehnung. Bebaut und bepflanzt ist aber auch jedes Plätzchen und Eckchen, dem etwas mehr als ein Grashalm entsprießen kann.

Noch im Felsenkessel von Niegosch lacht uns eine Oase entgegen. Ueppiges Grün bedeckt eine große Fläche, die von Heerden wimmelt und in deren Mitte ein Brunnen die Hirten um sich versammelt, die sich hier in sorgloser Lust tummeln. Auch hier werden die Grüße kräftig hin und her geschossen. Und nun geht es steil felsan. Oben aber haben wir eine der höchsten Höhen des Landes erreicht, und um und unter uns hebt und senkt es sich, je mehr das Auge vordringt, immer weiter und immer tiefer, wie plötzlich versteinerte Wogen eines Meers im wüthendsten Sturm. Selbst die Gewohnheit des täglichen Anblicks dieser ungeheueren Erscheinung verwischt nichts von ihrem Eindruck auf die Seelen der Bewohner. Eine Erklärung des steinernen Wunders gibt ihnen ihre scherzende Sage. Sie erzählen: Als Gott über die Erde gegangen sei, um jedem Lande seinen Antheil an Steinen hinzuwerfen, sei der große Sack, darin er sie getragen, hier zerrissen und der ganze Inhalt auf Montenegro herabgefallen. – Der schönste Blick eröffnet sich uns gegen Süden. Dort ragen am Horizont die Blätter und Zacken vom dunkeln Kranz des Albaniergebirgs, aus dessen Mitte der Spiegel des Sees von Skutari heraufglänzt.

Wir klettern an unserer Steinwoge hinab und haben bald eine andere Felswand erstiegen. Da tönt uns entsetzliches Geheul vom nächsten Hügel entgegen. Eine Frauenschaar kauert auf einer bebuschten Felskuppe im Kreise. Es sind Klageweiber, die um einen Gestorbenen öffentlich weinen. Plötzlich schweigen alle und bedecken die übergebeugten Gesichter mit den Händen. Das ist nur eine Pause der Klage. Von Neuem beginnt der heulende