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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band | |
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Staatsmännern, Feldherren und Dichtern, Gelehrten und Künstlern auf den öffentlichen Plätzen vor dem Volke stehen, die freie Säule weltlichen Ruhms und das prunkende Triumphthor das Emporragendste ist und statt des Hemmschuhs – der Dampf am Wachsthum der Stadt arbeitet.
Die pariser Nordstadt ist die Hauptstadt des französischen Lebens; das Volk nennt sie nur „die Stadt“ (la Ville). Hier ist das Paris, welches einen großen Theil der Geschichte von Frankreich gemacht hat, hier stehen die Paläste, die mit den Strahlen ihres Glanzes ganz Europa blendeten. Blicke hin: dort der Louvre, den einst der Kunstraub mit den Schätzen Europa’s gefüllt hatte, die Tuilerien, in denen so oft die Rollen für die Tragöden und Komödianten auf der Bühne der Weltgeschichte vertheilt wurden, und dahinter der blutgedüngte Tuileriengarten. Weiter der Eintrachtsplatz, auf welchen der Obelisk von Luxor fremd und theilnahmlos blickt, und die Elisée’schen Felder, beides unvergleichliche Arenen der Revolution, die einst von da herüberzog zur zitternden Südseite der Stadt, auf dem Marsfeld – am 14. Juli 1790 – noch reine menschliche Thränen vergoß, als die Königin dem freien Volke das Kind zeigte, die Königin, die auf dem Karren zum Fallbeil fuhr, und das Kind, von dem die Geschichte nichts mehr kennt, als die Zahl seines Namens in der Königsreihe. Dieselbe Revolution machte den Palast Luxemburg, jenes berühmte Bauwerk der Maria von Medicis, des guten Heinrichs IV. schlimmer Gemahlin, zu einem „Reservoir der Guillotine“. Ueber die „Brücke von Jena“ kehren wir zurück nach Nord-Paris, unwillkürlich zurückblickend nach der Kuppel des Invaliden-Hotels. Der dort als Kaiser ruht, war ein Kind der Revolution und liegt in deren Wiege: mit den Gewehren und Kanonen, die es hier fand, stürmte das Volk die Bastille. Des Löwen Zeichen stehen überall mitten unter denen der Revolutionen. Vom Triumphbogen am Thore nach Neuilly und an der Vendomesäule vorüber führt das Auge uns zu jenem Palast, dessen Geschichte in der Reihe seiner wechselnden Namen zu lesen ist: Palais Cardinal, Palais Royal, Palais Egalité, Palais du Tribunat, abermals Palais Royal, dann Palais national, dann? – Karl X. war es, der, „auf einem Vulkane tanzend“, dort „Schönes Wetter für seine Flotte von Algier“ wünschte. Des Dey’s und sein Thron stürzten noch im selben Monate. Dort winkt über die Dächerreihen herüber eine Flagge. Sie flattert auf der Zinne der Börse, die auch ihr Licht von oben erhält. Weiter die Post, die Post einer Weltstadt! Wie unermeßlich nur allein der Gedankenverkehr in diesem Haupte eines Reichs! Dort ragt eine Säule in der Nähe der Seine empor: die Palmensäule, und kaum tausend Schritte der Seine entlang aufwärts erkennst Du das eigentlichste Revolutionsgebäude der Welt, das Stadthaus, in dessen Räumen Feuer und Rauch der Politik stets zuerst ein- und auszogen bei jedem Staatsbrande seit Ludwig XVI., und in dessen Schatten der Grèveplatz, der Boden der Guillotinenarbeit in Frankreichs schrecklichsten Tagen, das Blut von Tausenden einsog. Drüben vom äußersten Osten der Stadt, aus der Vorstadt St. Antoine, kamen die Schaaren mit den zerrissenen Kitteln und schwieligen Fäusten, die für Sieg
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 6. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_19._Band_1857.djvu/16&oldid=- (Version vom 24.12.2025)