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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band | |
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und Familienkämpfe in Folge der Blutrache. Unter ihm ward aber auch Montenegro’s Unabhängigkeit entschieden durch die furchtbare Niederlage der Türken unter Mahmud Pascha von Albanien im Jahre 1796. Wie er im Innern jeden Widerstand, der vor seinem weltlichen Arm nicht wich, mit dem geistlichen Bannstrahl niederschmetterte, so war er selbst von seinen Feinden bewundert als Held, der gebildetste Mann seines Volks und eine europäische Berühmtheit seiner Zeit. – Der Wladika hatte, seit Einführung der Theokratie in Montenegro, das Recht, seinen Nachfolger aus seiner Familie zu ernennen. Die Wahl fiel natürlich stets auf ein Glied eines Seitenzweigs derselben, weil der Wladika als geweihter Priester ehelos lebte. Als Peter Petrovich am 30. Oktober 1830 starb, hatte er einen Neffen zum Nachfolger gewählt, der sich Peter Petrovich II. Niegosch nannte. Noch ehe er, der Minderjährigkeit entwachsen, 1833 selbst an die Spitze des Volks treten konnte, hatte dieses einen abermaligen gewaltigen Andrang der Türken, im Jahre 1832, zurückgeschlagen. Der junge Wladika, welcher seine Bildung zu Castelnovo, Wien und zu Petersburg erlangt hatte, wo er 1833 die Bischofsweihe und den Annenorden erhielt, wurde ein Pfleger des Friedens und als Dichter eine Zierde der serbischen Literatur. Er war ein würdevoller Mann und trug in seinem schönen Haupt edle Gedanken. Die edelsten umfaßten seine Sorge für die geistige Hebung und sittliche Entwilderung seines Volks. Aber wie schwer auch seine Macht als Oberpriester, höchster Richter, erster Verwaltungsbeamter, Gesetzgeber und Oberfeldherr wog, er betrat einen Dornenpfad, als er die durch Jahrhunderte eingelebten Sitten und rauhen Gewohnheiten seiner Bergvölker antastete. Der Zwiespalt zwischen dem europäisch gebildeten hochstrebenden Geist und feinfühlenden Herzen des Wladiken und der blutigen Rach- und Raubgier seines Volks war zu groß. So sehr auch ihn, der seinen Homer über Alles schätzte und selbst eine Uebertragung desselben in die Form des serbischen Heldenlieds versuchte, Alles erfreute, was in den Sitten und Gewohnheiten der Montenegriner an das Leben der Helden Homers erinnerte, wie der Freiheitssinn, die Liebe zu Waffenschmuck, die Heilighaltung des Gastrechts, die unbefleckbare Treue der Freundschaft und der Waffenbrüderschaft, die eigenthümliche Stellung der Frauen, die Freude am Schlachtentod, ja, auch die Blutrache, so hoch er die Tapferkeit und den Heldengeist seines Volks schätzte, so mußte es doch einen starken Mißklang mit seinem Inneren hervorrufen, wenn seine Helden wie Kinder der Wildniß ihm nach jedem Raub- oder Rachezug gegen die Türken die abgeschnittenen Köpfe derselben triumphjubelnd in’s Haus trugen und am Klosterthurm aufhingen. Später schien er eine stille Ausgleichung mit diesem Mißverhältniß darin zu suchen, daß er der Volksdichter der Cernagora im edelsten Sinn des Wortes ward. Die herrlichsten Thaten seines Volks wand dieser Fürst zu einem immergrünen Kranz unsterblichen Heldenruhms in epischen und dramatischen Dichtungen. Dadurch und durch sein offenes Auftreten für den Panslavismus gewann er sich allerdings die Achtung des Auslands, das Inland aber ward ihm täglich fremder, weder als Held noch als Priester that er seinem Volke genug,
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 150. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_19._Band_1857.djvu/160&oldid=- (Version vom 28.12.2025)