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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band | |
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Orange, die Hauptstadt des Departements Vaucluse im südlichen Frankreich und ehedem des Fürstenthums Orange oder Oranien, war Jahrhunderte hindurch eine römische Kolonie, früher Arausio, später Colonia Secundanorum genannt. Aus dieser Römerzeit stammen die Wunderwerke der alten Baukunst, durch welche Land und Stadt berühmt sind. Zu den merkwürdigsten gehört neben einem noch durchaus vollständigen Amphitheater am Fuße des Schloßberges, den Ruinen eines Dianatempels, einer Wasserleitung, mehrer Bäder mit Mosaik- und Statuen-Resten und großartigen Mauertrümmern auch der Gegenstand unseres vortrefflichen Stahlstichs.
Ein Geograph des 17. Jahrhunderts sagt über denselben: „Bey dem Thore, da man auf Lyon zu gehet, ist ein schöner Triumph-Bogen sehr schön zu sehen, darauf man unterschiedliche Schlachten zu Pferd in Stein gehauen findet, welchen man ins gemein dem C. Mario und Catulo Lactutio zu Ehren aufgerichtet zu seyn vermeinet etc.“ Dieses Triumphthor bildet ein Parallelogramm von je 60 Fuß Höhe und Länge und 40 Fuß Breite, dessen Hauptfronten von drei Bogengängen durchbrochen sind. Es ist ein edler Bau, dessen Anblick den Deutschen mit dem Gefühle stolzer Trauer erfüllt, denn ein Denkmal ist dieser Steinkoloß an den ersten Sturm, mit welchem die Germanen an der übermüthigen Roma rüttelten, daß ihr der „cimbrische Schrecken“ in alle Glieder fuhr. Die Schlange ward damals Herr über den Löwen, aber das Zittern vor seinem Todeskampfe verließ sie nicht selbst nach dem Siege.
Die Gegenwart baut den Siegen über Deutschland andere Triumphbogen. Da gibt es Brücken von Jena und Austerlitz, Herzöge von Wagram und Istrien, ein französisches Elsaß, ein englisches Helgoland, ein dänisches Schleswig, ein geschleiftes Rendsburg und so weiter. Auch Rom hat abermals über Deutschland gesiegt. Auf der Spitze seines Triumphbogens ragt das Kreuz St. Peters über die Alpen. – Die Spirallinie des Kulturgangs der Geister muß steigen und sinken, so ist der Lauf der Welt; aber wie viel Glück und Glauben, Blut und Thränen der Völker der nächste Aufgang kosten wird, – wer will’s ermessen?
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 154. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_19._Band_1857.djvu/164&oldid=- (Version vom 28.12.2025)