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Das neue Museum in Dresden.




Betrachte einen Blumenstrauch. Die Wurzeln saugen in der dunkeln Tiefe die Nahrung ein, die durch Stamm und Stengel aufwärts zieht in Zweige und Blätter. Diese, geschmückt und gelabt vom Thau der Sternennacht, erwachen zum heiteren Spiel mit Morgenlüften und Sonnenstrahlen und sind der Menschen Freude. In der Höhe streben, gar sorgsam gepflegt, die Knospen empor, und wenn diese sich endlich zu Blumen entfalten, so lenken sie alle Blicke auf sich, sie sind der ganzen Pflanze Haupt und Zweck und letzte Vollendung. Die armen Wurzeln! sie wühlen fort und fort in der Erde dunklen Klüften, während ihr Werk, die Blüthenkrone, im Sonnenglanze strahlt.

Nicht anders ist’s am Baum der Menschheit: Wie arbeiten die braunen harten Wurzeln der Hände, wie ringen sie die nährenden Stoffe der Erde ab, die alle nach oben ziehen in Stamm und Aeste, Zweige und Blätter des Baums, aber der Strahl der Augen, den die Sorge des Tags zur Erde kehrt, dringt nicht von der dunkeln Tiefe hinauf bis zur Erkenntniß der Blüthen, welche die Krone zieren. Es ist ein gerechter Stolz, der unser hebt, wenn wir vor den schönsten Schöpfungen des menschlichen Geistes stehen; aber ist die Wehmuth ungerecht, die uns erfüllen muß bei dem Gedanken, daß von den Millionen, aus deren Händen diese Schöpfungen hervorgegangen oder mit deren saurem Schweiß diese Schätze zusammengebracht worden, kaum Tausende zum wahren Genuß derselben befähigt und berufen sind? Der Stolz thut wohl daran, beim Gang durch die geweihtesten Hallen der Künste auch die Demuth zum Geleit zu nehmen. – Der Blumenstrauch aber gibt uns mit seinem Bilde die Lehre, daß auch in der Menschheit, trotz alles Forschens und Strebens, Mühens und Opferns für allgemeine Völker-Bildung und Menschen-Veredelung, die auf- und absteigende Ordnung der Natur bleibt, wie sie war und ist. Wie das Kind zu allen Zeiten und in allen Ständen seine Puppe und seinen Nußknacker dem Apoll von Belvedere und der mediceischen Venus vorziehen wird, so wird der arme Wurzelmensch nach wie vor den Nürnberger Bilderbogen und das goldbeklebte Heiligenblatt mit demselben Maß von Bewunderung,