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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band | |
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Freude und Genuß betrachten, wie der glückliche Blüthenmensch eines Cornelius jüngstes Gericht oder die gefeiertste Madonna eines Raphael. –
„Brühl, habe ich Geld?“ – „„Ja, Sire!““ – In Folge dieser Unterhaltung zwischen dem sächsischen Kurfürsten und Polenkönig August III. und seinem Minister entstand die unschätzbare Kunstsammlung, für welche die Gegenwart einen neuen, würdigen Tempel errichtet hat. Es war hier in der That der Schweiß der harten braunen Hände, dem des Landes Hauptstadt das Herrlichste verdankt von Allem, was sie Herrliches umschließt. Es geht von dem Werthe desselben nichts verloren, wenn wir mitleidig und entrüstet des unglücklichen Volks gedenken, dem zu dem Zweck Millionen Thaler Steuern abgepreßt werden mußten, während die Schuldenlast des Staates von 20 auf 100 Millionen anschwoll; auch dadurch nicht, daß die Geschichte und belehrt, wie nicht die reine Liebe zur Kunst, sondern die maß- und rücksichtsloseste Prunksucht und Herrschgier eines ausschweifenden Fürsten und dessen Ministers freche Gelüste zu Veruntreuungen in kolossalem Style (derselbe hat, nach gerichtlichem Ausweis, Fürst und Land um 5,300,000 Thaler betrogen), bei der Aufhäufung dieser Kunstschätze geleitet. Der Werth derselben kann vielmehr nur um so größer erscheinen, wenn wir sie als das Einzige betrachten müssen, was von den vielen verschwendeten Millionen aus Sachsens unglücklichster Zeit dem Lande von dauerndem Werthe und der Nation von unvergänglichem Schmuck geblieben ist.
Die Geschichte der Entstehung der Dresdener Gallerie öffnet auch auf italienischer Seite den Einblick auf einen Pfuhl von Habsucht und Treulosigkeit, der durch die dazwischen auftauchende patriotische Reue der Italiener über den Verlust ihrer gepriesensten Kunstkleinodien nur um so widerlicher wird. In Dresden befand sich bereits eine Kunstkammer, deren Begründung noch in das sechzehnte Jahrhundert fällt. Sie enthielt neben hauptsächlich altdeutschen Bildern nur sehr wenige von ausländischen großen Meistern. Des Kurprinzen August III. Reise in Italien hatte seinem Kunstsinne die Richtung angewiesen, in welcher später des Königs Wünsche ihre Befriedigung suchten. Die häufigen Geldverlegenheiten der italienischen Großen und die Geldgier ihrer Diener bahnten den Weg dazu, aber die Furcht vor der öffentlichen Meinung, in welcher sich damals noch italienischer Kunststolz wie in den Schichten des Volks ein ehrenhaftes Nationalgefühl aussprach, zwang sowohl Käufer als Verkäufer zur Vorsicht. Heimlich und unter falschen Namen wählten die sächsischen Unterhändler die Bilder aus und ihre Korrespondenz mit Brühl geschah mittelst einer Chiffreschrift. Ebenso mußten berühmte Bilder als andere Waare verpackt und so förmlich zum Lande hinausgeschmuggelt werden. Den Rechnungen für die Gemälde sind wunderliche Verzeichnisse von Geschenken für die italienischen Unterhändler beigefügt, Silberzeug, Chokolade und allerlei Sümmchen für Geschäftsführer und Domestiken. So ging man damals in Italien mit den Werken des höchsten Ruhms der Nation um, und heute noch ist Italien das bevorzugte Revier für russische und englische Kunstjäger.
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 165. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_19._Band_1857.djvu/175&oldid=- (Version vom 28.12.2025)