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Mag nun Verarmung einzelne Familien zur Aufopferung solcher Zeugen des alten Glanzes nöthigen, oder steigende Geldliebe gesunkenem Kunstsinn die Hand zu deren Veräußerung führen, für Italien ist es gleichgültig, wohin die Bilder kamen, deren Erhaltung ihm doch nicht möglich war, für Deutschland aber sind sie eine Quelle edelster Kunstbildung geworden, nicht eingesperrt in Eremitagen und adelige Landsitze, sondern aufgethan für Jeden, der aus ihr schöpfen will.

Binnen zwanzig Jahren, von 1743 bis 1763, dem Todesjahre Augusts III., wurde der Ankauf dieser Muster-Gallerie vollendet. Er begann mit der Erwerbung von 100 Bildern aus der modenesischen Sammlung, darunter die sämmtlichen Prachtstücke der Bologneser Schule. Damit war der Handel eröffnet, die blanken Münzen des sächsischen Hofs verschafften ihm einen lebhaften Fortgang. Aber erst 1753 konnte die Perle der Dresdener Sammlung, Raphael’s Sixtinische Madonna, erlangt werden. Sie kostete 60,000 Thaler und eine Kopie in gleicher Größe, ein selbst für den damaligen Geldwerth geringer Preis. Mit den Massenankäufen in Prag kamen die besten Van Dyks und Rubens, mit denen in Paris die schönsten Wouvermans nach Dresden und so häufte sich durch fortgesetzte Erwerbungen die Sammlung bis auf 2000 Stück, zu deren Neuaufstellung im alten Galleriegebäude (1835) man drei Jahre gebraucht hatte. Seitdem hat dieselbe noch manchen neuen Zuwachs erhalten und vor zwei Jahren übersiedelte sie in ihre neue und ihrer würdigere Behausung, das neue Museum.

Der im vierten Bande des Universums beschriebene sogenannte Zwinger in Dresden war ursprünglich als Vorhof zu einem königlichen Palaste bestimmt, der alles Vorhandene an Pracht überstrahlen sollte, aber nie gebaut worden ist. Dieser Prachtpalast ist nun gebaut. Das neue Museum nimmt diese Stelle ein. Aus den Zwingergebäuden sind die Propyläen des Tempels der Kunst geworden.

Semper, der Baumeister derselben, stellte sich die schwierige Aufgabe, den Charakter des Hauses dem seiner gesammten Umgebung auf das Genaueste anzupassen. So mußte es kommen, daß nun jede Seite des Museums ein anderes Gesicht zeigt. Die dem Zwingerhof zugekehrte Hauptfaçade setzt die Tonweise fort, welche in dem Zwinger, dieser „Dithyrambe des Rococo“, wie Hettner ihn nennt, angeschlagen ist. Nur ist der Styl des Museums reiner, edler, massiger gehalten. Diese Façade mit einem Theil des Zwingerhofs und dem Standbilde Friedrich Augusts nebst zweien der vier großen Springbrunnen stellt unser Stahlstich dar. – Die beiden Schmalseiten bilden in ihrer einfacheren Gestaltung den Uebergang zu der Nordseite, die, wie sie dem schönsten und architektonisch bedeutendsten Theil Dresdens, der Brücke, der katholischen Kirche und dem Theater, zum großartigen Abschluß und Hintergrund dient, einen, auch dem größeren Raume, der sie umgibt, entsprechenden zusammengehaltenen, massenhafteren und ruhigeren Charakter trägt. Das Baumaterial war der schöne sächsische