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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band | |
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Sandstein. Auch der Farbenton wirkt trefflich, indem die Rustica dunkel, die Mauermasse gelblich ist und die plastische Dekoration sich weiß darauf abhebt.
Dem architektonischen Werke gesellte sich die Bildhauerei bei mit ihrem beredten Schmuck: denn Hähnel und Rietschel sind die Meister, welche in dem durch den Bau bedingten großartigen Bildercyklus in herrlichster Eintracht zusammengewirkt und den unschätzbaren Inhalt des Hauses, die Gemäldegallerie, das Kupferstichkabinet und Mengs’ Gypsabgüsse der Antiken, also die höchsten Kunstwerke aller Zeiten, klar und anschaulich mit dem Finger der hier dienenden Bildnerkunst angedeutet haben. Sie stellten, um die beiden Hauptrichtungen aller Künste, das anmuthig Schöne und das dämonisch Erhabene, in Gestalten sich aussprechen lassen zu können, die Kolossalstatuen von Raphael und Michel Angelo in die Nischen des Südportals und reiheten diesen zur Linken und Rechten die entsprechenden Bildwerke so an, daß alle von diesen beiden Hauptwerken ausgehen und sich folgerichtig auf sie zurückbeziehen. In sämmtlichen Bildwerken hielten, wie Hettner rühmt, die Künstler unverbrüchlich an der Ruhe und Großheit des ächt plastischen Styls fest und ließen sich nirgends, wie dies in Sandstein so oft zu geschehen pflegt, zu manierirt malerischen Wagnissen fortreißen.
So schmuckvoll das Aeußere, so einfach-edel ist die Ausschmückung des Inneren. Außer den genannten Künstlern waren für dieselbe thätig die Maler Rolle, Kirchbach und Schurig und der Bildhauer Knauer. Den Bau leiteten nach Sempers Weggang die Baumeister Hähnel und Krüger. Die Aufstellung der Sammlung ist das Werk ihres Direktors, des genialen Schnorr von Carolsfeld, und Prof. Jul. Hübner verdankt sie ihre Katalogisirung. Die Ordnung der Dresdener Gallerie konnte keine streng geschichtliche seyn, wie die der Gallerien von München und Berlin. Nicht die Absicht geschichtlicher Vollständigkeit leitete beim Ankauf derselben, man richtete das Auge einzig auf die vollendeten Werke der reifen Blüthezeit der Kunst. – Den beiden kostbarsten Perlen der Sammlung hat der Baumeister eine besondere und sinnige Fassung gegeben. Zwei Eckkabinette des Museums wurden zu Kapellen eingerichtet, die eine westliche für Raphaels italienische Madonna, welche über einem Altar strahlt, während Holbeins deutsche Maria aus einer Nische der östlichen mit heiliger Würde, fleckenloser Reinheit und inniger Muttergüte auf uns herniederblickt.
So steht Schale und Kern gleich vollendet schön vor uns, der Sachse darf sein Museum dem deutschen Landsmann mit gerechtem Stolze zeigen als eine ewige und einzige Perle längst vertrockneter und verziehener Thränen, und dem Deutschen ist das Recht geworden, zu behaupten: die herrlichste Gemäldesammlung der Welt gehört unserem Vaterlande.
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 167. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_19._Band_1857.djvu/177&oldid=- (Version vom 28.12.2025)