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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band | |
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Männer, vor den Kugeln des blitzenden Feuerrohrs entsinken Bogen und Pfeil, es entflieht die arme Rothhaut, und an das Ufer der unverritzten Flur springt jauchzend der Pionier ihrer Zukunft.
Es ist in Nordamerika die Zeit nicht mehr, wo das Vordringen des kühnen Einzelnen nur eine vereinzelte That war, an die sich keine Folgen zu knüpfen brauchten. Der Mann, der zuerst und allein am jenseitigen Stromufer landet, zieht jetzt an unsichtbarer Kette den langen, aber raschen Zug der Kultur nach sich. Mit seinem ersten Schritt in das neue Land ist dieses in ununterbrochene Verbindung getreten mit allen Stationen des Fortschritts, allen Stufen der körperlichen, allen Zweigen der geistigen Arbeit im neuen, wie im alten Ostlande: geöffnet ist sein Schooß für die Geschenke aus dem Füllhorn des Glücks, wie für den ganzen Inhalt der Büchse der Pandora.
Was wird dir beschieden sein, schönes Thal? Wenn ich die Farben suche zu deinem Zukunftsbilde, muß ich vorübergehen an der Schicksalsgallerie unserer alten Welt. Durch wie viel Dunkel, an welchen Schatten vorüber wandelt da der Blick, der für die Ebenen zwischen diesen Hügeln das Musterbild einer Wohnstätte sucht, wo die Menschenliebe allein waltete, jedes einzelne Glück ein Gemeingut Aller, jedes einzelne Unglück ein allgemeines Leid, seine Abwehr eine gemeinsame That war: kurz, wo das ächte Menschenglück auf Erden gewohnt hätte! – Nicht einmal drei Häuser finden wir beisammen stehen, im ganzen Umfang unserer dreitausendjährigen europäischen Geschichte, die den Ruhm einer solchen musterhaften Gemeinschaft sich erworben hätten. Ueberall tritt uns der Urfeind des Menschenglücks entgegen, nicht der Teufel, den der evangelische Christ seit drei Jahrhunderten überwunden glaubte und der heut zu Tage als wiedererstanden von den Kanzeln gelehrt wird, sondern der nur in seinen Thaten sichtbare Verderber alles Reinen, Hohen und Edelen: die Selbstsucht, mit der Medusenfratze, vor der das warme Herzblut zu Eis erstarrt und deren Schlangenlocken uns die Lebensluft vergiften. Oder wollen wir das Glück des Thals von den Hügeln herabsteigen sehen? Was zeigen uns unsere Berge und was lehrt uns die Geschichte ihrer Pracht und ihrer Trümmer? Wir finden auf den Höhen der Länder, die auf ihre Vergangenheit und ihre gegenwärtige Macht und Bildung am stolzesten sind, hunderte von Ruinen, grauen, versinkenden Adelsburgen, Bergvesten, alte Herrschersitze im aufgeputzten Schmuck modernen Ritterthums, Klöster und Wallfahrtskirchen.
Wahre dich, Land der Zukunft, vor dem Glück, das von den Burgen zu dem Volk im Thale kam! Begehre nicht nach der Romantik der Burgfräulein; sie schützten die Bauernbraut im Dorfe nicht gegen das Recht der Gewaltthätigkeit und Entehrung. Schwärme nicht für das ritterliche Turnier, Bankett und Jagdvergnügen; sie hatten für das Volk nur Leid und Last, der Rüde war höher geschätzt und gehalten, als der Bauer der Treibjagd. Zum Leibeigenen ward der Mann erniedrigt, der vorher frei auf seinem freien Eigenthum saß, wie jeder
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 171. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_19._Band_1857.djvu/181&oldid=- (Version vom 28.12.2025)