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Edle im Lande. Erst hat ihn das Faustrecht, das auf den Burgen blühte, wehrlos gemacht, dann kam das römische Recht über ihn und machte ihn rechtsunmündig; in dem waffen- und rechtlosen Volk erstarb jedes Bewußtsein der Freiheit und Ehre und es ist noch sehr geschmeichelt, wenn ein Geschichtschreiber von dem Zustand desselben vor dem Bauernkriege sagt: das deutsche Volk glich dem Odysseus der Griechensage, der in Lumpen vor der Schwelle des eigenen Palastes sitzt und von den unverschämten Freiern mit zugeworfenen Knochen und Schlägen traktirt wird. Man spreche nicht: die Zeiten sind vorbei, und anders steht der Bauer in der Gegenwart! Die Zeiten sind vorbei, ihre beklagenswerthesten Nachwirkungen nicht. Ist, trotz steigender Bildung und festeren Wohlstandes, im Bauern das Unterwürfigkeitsgefühl, die Erbschaft jener traurigen Jahrhunderte, ausgetilgt? Fühlt er sich vor dem Adeligen als gleich freier Mann im Lande? oder was ist’s, das ihm den Hut und den steifen Rücken tiefer hinabdrückt vor einem „gnädigen Herrn“ als vor dem geachtetsten Bürgerlichen? – Der Himmel bewahre dich, junges Land, vor den Burgen und ihren Trümmern auf den Hügeln und im Charakter des Volks. Brauchst du Vesten auf deinen Bergen, so baue sie zum Schutz deiner Bürgerwohlfahrt, aber halte sie fern von dem schmachvollen Dienste, zu welchem die alte Welt einst die ihrigen zwang. Damals trat das Recht mit dem weltlichen Regiment und der geistlichen Macht in einen vertrauten Bund. Die Weltlichkeit sprach: mir gehört die Erde mit allen ihren Gütern, die Völker, als das einträglichste Gut, eingeschlossen. Steht mir bei in der Erhaltung meines Besitzes, es soll euer Schaden nicht sein. Da sprach die Geistlichkeit: mir gehört der Himmel und das Gewissen der Nationen, eine ausgiebige Erwerbsquelle; sichert mir deren Besitz, du, Weltlichkeit, durch deine Gewalt, und du, Recht, durch deinen Spruch, so bin ich euch allerort zum Gegendienste willig. Und das Recht sprach: mein ist die Macht über Leben, Ehre und Eigenthum des Volks, versagt meinem Ausspruch niemals euer Schwert und euer Kreuz, so werdet ihr wohlfahren und ich auch. So gaben sie sich das Wort und hielten es. Da füllten sich die Gewölbe der Bergvesten mit Unglücklichen, welche neuerfundene Verbrechen begangen hatten, mit Majestätsverbrechern, Ketzern, Zauberern und Hexen. Du kannst noch in jenen Mauern Tausende von verrosteten Arm- und Halsringen an langen Eisenketten finden, mit denen jetzt muthwillige Knaben ihr Spiel treiben. Auch die Zeit ist vorüber, aber der zitternde Bauer vor Seiner Gestrengen, dem Herrn Landrichter, der ehrliche Mann, der dennoch zagenden Schrittes zur Amtsstätte geht, der ängstliche Bürger, der vor Allem, was Gericht und Recht heißt, zurückscheut und lieber Unrecht duldet, als männlich sein Recht sucht, der ist aus jener Zeit übrig geblieben und lebt noch. Das merke dir, schönes Land, du, in der Wiege!

Wo ist der Mensch, welcher uns zu sagen wagt: ob und wann dereinst Dynasten ihre Herrschersitze auf den Bergen Amerika’s gründen? Die Antwort gehört den kommenden Jahrhunderten. Steht es aber in deiner Hand, Volk der Zukunft, so baue dein Glück im Thale und erwarte es nicht mit der Demuth und Unbeholfenheit des