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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band | |
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so zog die Schaar dahin, die Faulheit, die Dummheit und die Sittenlosigkeit hinter dem schon tausendfach geschändeten Kreuze des Erlösers. Unsere fleißigen Arbeiter in den Gärten und auf den Feldern, auf der Landstraße und auf der Eisenbahn sahen halb mitleidig, halb zornig dem Schwarme nach, und selbst der Aermste unter ihnen schüttelte den Kopf über die entsetzliche Erniedrigung jeder Menschenwürde, die in solch einer Verehrung des Ewigen liegt. – Laß diese Lehre der alten Welt dich mahnen, du reine Au der Prairie, baue jedem Glauben seine Gotteshäuser, mögen sie tausend Berge zieren, nur wahre unwandelbar den Rath: was du bauest, bau’s zu deiner Kinder Glück und Ehre. Möge Gott es verhüten, daß auf deinen sieben Hügeln ein Rom der neuen Welt erstehe! Die alte hat am alten schwer genug gebüßt. Jetzt liegt es da wie ein ungeheueres Verbrechergrab, zu Füßen das blutige Schwert des Eroberers, zu Häupten ein dreigekröntes Kreuz. Die Krone drückt schwer auf dem Kreuz; doch prangt noch an dem dürren Holz, versöhnend mit der Vergangenheit, die darunter begraben liegt, eine einzige Blume, die herrlichste der Welt: die christliche Kunst.
Wohin ein solches Bild, wohin ein lächelndes Kind verführen kann! Wenn all’ diese Wünsche sich erfüllten, wenn dieses Fleckchen Erde verschont bliebe von Allem, was die Geschichte beklagt, und eine Heimstätte würde für das wahre Glück, wie würden die Menschen es nennen? Ein Bild der Lächerlichkeit würde vor ihnen stehen: die Hauptstadt von Utopien, des Schlaraffenlandes Residenz! –
Lassen wir die Welt, die’s nicht besser haben will, und wandern wir weiter durch das Thal der Prairie, das unsere Phantasie belebte.
Der Charakter der Prairie-Landschaft des nordamerikanischen Westlandes ist ein verschiedenartiger. Auf unseren beiden, von zuverlässiger Künstlerhand an Ort und Stelle aufgenommenen Bildchen ist derselbe treffend dargestellt. Das der Wabasha, eines Landstrichs und sagenreichen indianischen Jagdgrunds zwischen dem St. Croix und oberen Mississippi, bezeichnet die sogenannte „rollende“ Prairie, wie sie einen großen Theil von Michigan, Minnesota, Iowa und Wisconsin ausmacht. Es ist welliges und zuweilen hügeliges Land, von humusreichem fruchtbarem Boden, von zahlreichen üppigen Laubholz-Gruppen unterbrochen und von Rinnsalen und Strömen durchfurcht. Meist ist es für Kultur und Ansiedelung trefflich geeignetes gesundes Land und hier sind die sogenannten Prairie-Farms eigentlich zu Hause. Weiter im Westen, jenseits der Staaten-Grenzen, in den bis nach den Felsengebirgen sich erstreckenden Gebieten, dehnt sich die „ebene“ Prairie aus, diese Graswüste, nur mit dem Meer vergleichbar, so unermeßlich weit und eintönig, wie dieses. Unser Bild aus dem oberen Arkansas ist so treu, daß es nur wenig schildernder Zuthat bedarf.
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 176. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_19._Band_1857.djvu/186&oldid=- (Version vom 28.12.2025)