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Wagerecht dehnt sich die grüne Fläche, von keinem Baum, keinem Strauch unterbrochen, in die Ferne aus, bis der Horizont sie verschlingt. Der einsame Reisende empfindet hier den Seelendruck äußerster Verlassenheit. Nichts erschaut er rings umher, als den blauen Luftraum über, die weite Ebene vor sich. Meile um Meile legt er zurück, Stunde um Stunde verschwindet, immer umgibt ihn dieselbe feierliche Eintönigkeit, wenn nicht ein glücklicher Zufall ihn zu einer Heerde führt, die ruhig weidet auf ihrem erblichen Eigenthum. Endlich erscheint es am Saume des Horizonts wie eine schwache Wolke; sie steigt höher und höher, und nun zeigt sie sich deutlich als der Wald- und Hügelsaum, der die Prairie begrenzt.

Eintönig freilich, aber doch ist’s ein poetischer Ton, den diese unabsehbaren Ebenen athmen, poetisch wie das Wogen und Rauschen der See. Im Sommer, wenn Millionen Sonnenblumen ihre freundlichen Kelche öffnen und ihre Häupter vor jedem Lüftchen beugen und die Luft leise erzittert von den Myriaden schwirrender und summender Bienen und Mücken, die sich in dieses Blumenmeer tauchen, da ist die Prairie ein Bild des tiefsten Friedens, über dem die Sonne allmorgentlich in strahlender Helle sich erhebt, unverändert die dunstfreie Atmosphäre durchzieht und mit gleicher voller Tagespracht unter den Horizont sinkt. Die helle Sternen-Nacht, so klar wie bei uns im härtesten Winterfrost, folgt ihr auf dem Fuß. Ist auch die Prairie der Tummelplatz unzählicher Büffelheerden und das Jagdrevier des hungrigen Prairie-Wolfs, der hie und da einen weidenden Trupp schnellfüßiger Antilopen verfolgt, steigt auch bisweilen ein Schwarm wilder Tauben in die Höhe, die im Herbst in die Körner tragenden Sonnenblumenfelder einfallen, in dichten, die Sonne verdunkelnden Wolken, oder sieht man eine berittene Rothhaut, scheu wie einen Raubvogel über die Ebene jagen, oder eine lange tausendfaltige Wagenreihe eines Emigrantenzugs, bandwurmartig eine schmale Furche durch die dichten Halme ziehen, so verlieren sich diese Lebens-Staffagen doch gänzlich in dem unermeßlichen Rahmen des Landschaftsbildes, und so selten überraschen dergleichen auffallende Erscheinungen den ebenso seltenen Jäger oder Reisenden, wie auf hoher See ein begegnendes Schiff.

Nur im Spätherbst, wenn die Blüthenpracht verblichen und das hohe Gras verdorrt ist, verändert sich auf kurze Zeit die Scenerie. Wie sich auf dem Ocean, dem spiegelglatten, der Sturm ankündigt, der mit den entfesselten Flammen des Himmels über die Fluth raset, die schlafenden Wellen zu Atomen peitscht, Schiffe bricht wie Kartenhäuser und Masten knickt wie Strohhalme, so steigen an Abenden versengend heißer Herbsttage oft hie und da, in meilenweiten Entfernungen von einander, leichte Rauchwölkchen aus der Prairie auf; der Unkundige würde sie für Rauch aus einer Blockhaus-Esse halten. Aber zusehends wird’s höher und breiter, wie ein aufsteigendes Wetter, ein Wind erhebt sich, Funkengarben vor sich her jagend, und im Nu tobt wild die Flamme über die Prairie. Die aufwirbelnden Rauchsäulen verhüllen die Sonne vor ihrem Scheiden und die heranstürmende