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Gedanken wir uns hier anschließen, noch zu Anfang des 16. Jahrhunderts ein schön gegliedertes, organisch verbundenes Ganze mit Freiheit und Autonomie der Theile, mit natürlich verwachsenen, starken und lebenskräftigen Organen der Verwaltung und Rechtspflege. Es war ein von germanischen Ordnungen durchzogenes Frankreich. Vor diesem Frankreich war Deutschlands Selbstständigkeit sicher. Da begann jener doppelte Kampf gegen das Germanenthum: der im Innern, dessen Sieg das Ende der französischen Volksfreiheit war, und der nach außen, welcher Deutschland seine einst höchste staatliche Macht in Europa kostete. Frankreich gab seine inneren Freiheiten preis und stellte sich unbedingt seinen Machthabern zur Verfügung, und der Deutsche ward von seinem nationalen Mittelpunkt abgelöst und daran gewöhnt, in einem nach fremden Principien regierten und um eine fremde Sonne sich drehenden Bruchtheile seinen Mittelpunkt zu finden: die Franzosen wurden eine äußerliche, oberflächliche, unfreie Nation, und die Deutschen ein zersplittertes, philisterhaftes, im großen Leben nur auf geistige Arbeit und Beschäftigung beschränktes Volk, dessen religiöser Zwiespalt am eifrigsten vom französischen Cäsarismus benutzt wurde, um das Fürstenthum in Deutschland gegen die deutsche Reichseinheit zu hetzen und, getragen und gehoben von der deutschen Uneinigkeit, Deutschland immer mehr zu zerreißen und zu unterjochen.

Wir sehen: nur Deutschlands politische Nullität war die Bedingung für die Lösung der Aufgabe, für welche das französische Volk fortan einzig herangebildet wurde. Unfähig und entwöhnt jeder Selbstregierung, nur auf das Aeußerliche gerichtet, erkannte es endlich seinen Beruf darin, als Sieger fremde Länder zu durchziehen, Provinzen auszusaugen, vorübergehende glänzende Erfolge zu erringen und, selbst nach den erschütterndsten revolutionären Unterbrechungen dieses Nationalzugs, stets wieder auf den nach innen nivellirenden, d. h. eine allgemeine Gleichheit nicht etwa vor dem Gesetz, sondern der politischen Recht- und Machtlosigkeit Aller unter der höchsten Gewalt anstrebenden, nach außen aber herrschenden Cäsarismus zurückzukommen. Je mehr aber dieses vom Wege seiner Bestimmung, die ihm eine Regeneration der romanischen Völker zur Pflicht gemacht hätte, abgeirrte Frankreich dem wesentlich germanischen Europa gegenüber die ganz antike Eroberung und Ausbeutung und die Weltherrschaft des römischen Kaiserthums noch einmal zur Geltung zu bringen suchte, desto fester hielt das deutsche Volk am germanischen Kern. Es konnten Stücke von Deutschland abgerissen, es konnte das ganze Staatsleben zerstückelt und machtlos werden, aber erobern, in ihrer nationalen Existenz vernichten konnte man die Deutschen nicht. Gerade die Thatsache, daß die Großen in Deutschland, die Glieder des der Reichseinheit widerstrebenden Fürstenthums, von Macht und Glanz des Franzosenthums, das an deren Selbstsucht den einzigen sicheren Halt hatte, geblendet und beherrscht, mit all’ ihrem Einfluß auf das Volk dessen Deutschthum nicht erschüttern konnten, ist ein wohlthuender Beweis, daß die Deutschen individuell, was eigentliche menschliche Tüchtigkeit betrifft, sich getrost den Franzosen überlegen fühlen dürfen. Denn diesen kam auf ihren Eroberungszügen ein