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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band | |
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Stellung eines Schützlings der europäischen Gleichgewichtsmächte hinabgestiegen. Europa zeigt uns nur noch zwei Staaten mit hochragenden Bildsäulen weltbeherrschender Unsterblichkeit. Dort prangen Peter der Große und seine Nachfolger, die in der That, „allzeit Mehrer des Reichs“ waren. Ueber 375,400 Quadratmeilen Europa’s, Asiens und Amerika’s reicht des Reußen-Kaisers Scepter, dessen Willen 63 Millionen Menschen sich schweigend und blindlings fügen. Hunderte von großen bewaffneten Schiffen stehen ihm zu Gebote, auf seinen Wink marschiren Hunderttausende zu Fuß und zu Roß. Trotz alledem hat der letzte Krieg manche Strahlen seiner Glorie erbleichen gemacht. Rußland steht weder mehr als unangreifbar, noch als unbesieglich da. Es zeigt das Bild eines jungen, tüchtigen Recken in einer Riesenrüstung, die seine jugendlichen Gliedmaßen noch nicht ausfüllen; er muß erst noch in seinem Harnisch wachsen, um eine Weltherrschaft behaupten zu können. – Dagegen hat noch Niemand diesen höchsten Rang dem Reiche bestritten, das als Gründerin seiner Größe eine Elisabeth den Unsterblichen beigesellt hat. Hier treten wir in eine andere Zeit, in eine neue Periode des Staatslebens: nicht bloß die königlichen Nachfolger der Elisabeth, sondern selbst die Bürger, die Kaufleute, die Seefahrer, die Fabrikherren, Handwerker und Ackerbauern Altenglands waren „allzeit Mehrer des britischen Reichs.“ Zum ersten Male in der Geschichte stehen wir vor dem Bilde eines einmüthigen Strebens aller Glieder eines großen Volks nach einem Ziele: Fürst, Adel, Bürger, Bauern sind Krieger, Seefahrer, Kaufleute und Arbeiter zugleich, wenn es die Erringung oder Behauptung eines Landesvortheils, eines neuen gemeinsamen Volksgutes gilt. Wann hätte England je ein Beispiel geboten von solchem ermüdenden Parteihader, solcher entnervenden Unentschlossenheit, solch schleppenden Diplomaten-Verhandlungen, wie sie bei uns so oft die Quelle von Jammer und Schmach gewesen sind, wenn es eine rasche That und ein gemeinsames großes Interesse galt? Oder ist es nicht so? Geht nicht die beste Kraft, die der Sache gilt, gemeiniglich in heil- und endlosen Präliminarien auf? Deshalb wird der Deutsche auch nimmermehr einen Platz finden unter den Größen, die wir aufgezählt haben. – Aus Englands Freiheit entsprang die Rastlosigkeit des strebenden Volksgeistes, und dieser Volksgeist schuf das britische Weltreich, das, über alle Theile der Erde ausgebreitet, auf 150,000 Quadratmeilen 190 Millionen Menschen beherrscht. Doch auch hier unterbricht uns ein mißklingender Nachsatz. Großbritannien, das den größten Theil seiner überseeischen Besitzungen nicht mit der Gewalt der Waffen, sondern durch die bändigende und veredelnde Macht der Civilisation an sich gefesselt, hat in der Hand seiner Völkerverwalter das Scepter sich zur Goldscharre verwandeln lassen, die im blinden Eifer den eigenen Boden unterwühlt und das Gebäude seiner Macht mit jähem Einsturz bedroht, und bereits ist für England eine Zeit der Züchtigung, der Prüfung und des Kampfes gekommen gegen überzählige Feinde allerorten. Es ist etwas Großes um den hochherzigen Muth und den ungebeugten Stolz einer Nation in solchen Schicksalsstunden, aber dennoch, wenn es nicht mehr bedarf, als der Vereinigung
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 190. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_19._Band_1857.djvu/200&oldid=- (Version vom 30.12.2025)